Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1845, Bd. 1 (1845))

246 
Hauptblatt. 
und, diesen entsprechend, der äußeren Freiheit auferlegten Beschrän= 
kungen darzulegen und zu begründen. 
Bei dieser Nachweisung von allen erfahrungsmäßigen Verhält= 
nissen der Wirklichkeit abzusehen, war freilich nicht möglich, und 
wenn man wähnen möchte, durch bloße logische Analyse des 
gewonnenen obersten (und eben deshalb inhaltleeren) Rechtbegrif 
fes eine Fülle von realen Befugnissen, ein System concreter Rechte 
gewinnen zu können, so wäre man allerdings in arger Selbsttäuschung 
befangen. 
Allein ein so grob gegen die einfachsten Gesetze des Denkens 
(der formalen Logik) verstoßender Fehler sollte billigerweise 
einer wissenschaftlichen Richtung nicht zugemuthet werden, welcher 
man eben das zum Vorwurfe macht, daß sie in ein blos logisches 
Verfahren allzu großes Gewicht legt. Vielmehr mußte von einer 
so „gränzenlosen Abstractionswuth" schon der Umstand zurückhalten, 
daß es ja Juristen waren, für welche die Wissenschaft des Ver= 
nunftrechtes das nächste und unmittelbarste Interesse darbot, und 
welche daher auch dessen systematische Verarbeitung auf sich nahmen, 
Männer, welche hervorgegangen waren aus der Schule des für gründ= 
liche Kenntniß der Rechtinstitute stets von unvergänglichem Werthe 
bleibenden römischen Rechtes, und deren Einfluß auf die formelle 
Gestaltung unserer Wissenschaft sich schon in der bis jetzt darin 
durchgängig beibehaltenen Gleichmäßigkeit des technischen Sprach¬ 
gebrauches bewährt, einer Gleichmäßigkeit, deren Bedeutung für die 
Wissenschaft nicht hoch genug angeschlagen werden kann, und deren 
Störung der Verbreitung einer neueren Schule, welche sich hierin 
zu haben glaubte, will durchaus nicht in Abrede gestellt werden. — Allein 
ebenso wenig sollte man verkennen, daß, ungeachtet aller formellen Diffe¬ 
renzen der obige Grundgedanke fast alle rechtwissenschaftlichen Systeme durch¬ 
dringt, und nicht erst durch die neueste Wissenschaft gewonnen wurde; so 
wie denn die trotz der Verschiedenheit der Ausgangspuncte nicht zu läugnende 
Uebereinstimmung in fast allen materiellen Endergebnissen gerade im natür¬ 
lichen Privatrechte, ohne Voraussetzung dieser, oft unbewußt (namentlich 
bei der Begründung des individuellen Eigenthumes, der Rechtverbindlichkeit 
der Verträge u. dergl.) durchblickenden, gemeinschaftlichen Anerkennung 
wohl kaum zu erklären wäre. 
Max-Planck-Institut für
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer