Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1832, Bd. 2 (1832))

Hauptblatt. 
zweifeln zu müssen, ob gegenwärtig die Anordnung dieser Ge= 
setze noch in Wirksamkeit sey *) 
§. 2 
Vor Allem dringt sich die Bemerkung auf, daß diese Ge= 
setze einzig für die Landtafel, und ohne alle Rücksicht oder 
Beziehung auf die Grundbücher gegeben worden sind, wie 
die Ausdrücke derselben vielfältig und offenbar beweisen. Für 
die Grundbücher könnte sich also nur zur Aushülfe auf diese 
Gesetze berufen, und ihre Anwendung bey demselben nür durch 
die Analogie gerechtfertigt werden. 
Nun scheint aber die Analogie wie der Schatten eines Kör¬ 
pers zu seyn; sie kann ihrer Natur nach die Anwendung des 
Gesetzes auf durch dasselbe nicht behandelte, jedoch dem behan= 
delten ähnliche Fälle oder Gegenstände nur so lange rechtferti¬ 
gen, als das Gesetz selbst für seinen ausgesprochenen Gegenstand 
noch in Wirksamkeit bleibt. Die Analogie eines aufgehobenen 
Gesetzes scheint sich eben so wenig, als der Schatten eines aus 
dem Reiche der Wirklichkeit verschwundenen Körpers begreifen 
zu lassen. Nur darum findet die analogische Anwendung der 
*) Es wird zwar in der Abhandlung auch gesagt, daß nach der 
Cridaordnung vom 2. May 1644 dieses Pfandrecht — wenn auch 
kein Ansuchen um dessen Eintragung in die öffentlichen Bücher 
gestellt worden ist, — auch jetzt schon durch die bloße zür Er¬ 
werbung des Eigenthumsrechtes erfolgte Einverleibung des 
Kaufcontractes in Wirksamkeit trete, dann daß, wenn der Kau¬ 
fer die Besitzanschreibung ansucht, bey Errichtung der neuen 
Gewähr sogleich von Amtswegen die Kaufschillingsforderung 
ausgezeichnet werden müsse. Allein weder diese Behauptung, 
noch die Frage, ob die Unterlassung der Auszeichnung der Kauf¬ 
schillingsforderung die Unwirksamkeit der gesetzlichen Hypo¬ 
thek nach sich ziehen würde, nimmt auf den Gegenstand unseres 
Aufsatzes einen Einfluß, da jede Untersuchung über diese Re¬ 
bensachen von selbst hinweg fällt, wenn nach unserer Ansicht 
angenommen wird, daß gegenwärtig dem Verkäufer für den 
Kaufschilling durch das Gesetz kein Titel zum Pfandrechte ein= 
geräumt sey. 
Max-Planck-Institut für
	        
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