Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1832, Bd. 2 (1832))

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Hauptblatt 
XVIII. 
Ueber das 
zur Zurechnung eines Pestvergehens nothwen¬ 
dige Alter. 
Vom. 
Herrn D. Ignaz Graßl, 
k. k. Professor der Rechte an der Lemberger Universität. 
Weder das zur Hintanhaltung des Pestübels ergangene 
Patent vom 21. May 1805, noch irgend ein anderes besonde¬ 
res Gesetz gibt eine positive Entscheidung der Frage, welches 
Alter zur Strafzurechnung bey Pestvergehen erforderlich sey. 
Dennoch ist die Frage von hoher Wichtigkeit, da die Bestra= 
fung dieser Art von Uebertretungen, ohne Unterschied, ob sie 
aus Vorsatz oder nur aus Versehen begangen worden sind (9. 
1 des angeführten Patentes), aus leicht begreiflichen Gründen 
sehr strenge ist, indem sie der Regel nach vom fünfjährigen 
schweren Kerker beginnt, und bis zu zwanzig Jahren empor= 
steigt, ja selbst in der Verurtheilung zum Tode bestehen kann 
(s. das eben citirte Patent). Auch ist diese Frage, so viel mir 
bekannt ist, bereits wirklich practisch rege geworden. Es dürfte 
daher eine Besprechung derselben in diesen Blättern nicht über= 
flüssig seyn. 
Die Schwierigkeit in der Beantwortung liegt einerseits 
in dem schon erwähnten gänzlichen Stillschweigen der über die¬ 
sen Gegenstand bestehenden besonderen Gesetze rücksichtlich die= 
ser Frage, andererseits in dem Umstande, daß man die Pest= 
vergehen nach dem Gesetze weder als eigentliche Verbre¬ 
chen, noch auch als wahre schwere Polizey=Uebertretungen be¬ 
Max-Planck-Institut für 
europäische Rechtsgeschichte
	        
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