Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1832, Bd. 2 (1832))

Staudinger: über Minderjährige. 
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z. B. um Leistung eines Vorschusses oder Bezahlung von Schul= 
den aus den depositirten Vermögen desselben handelt, in die 
Kenntniß gelangen, und daß sie daher in Ansehung der ihnen 
von dem Staate anvertrauten Obsorge über Minderjährige 
nicht gehörig Amt handeln können. 
Bey diesem Verfahren dürfte demnach die Frage praktisches 
Interesse haben, ob es in den über die freyen Beschäftigungen 
bestehenden gesetzlichen Vorschriften gegründet sey, daß auch 
Minderjährige zu der Führung eines frey gegebenen Handels 
ohneweiters zugelassen werden. 
Zuerst erachtet der Unterzeichnete die Gründe, welche für 
die Meinung sprechen, daß eine Erhebung des Alters durchaus 
nicht erforderlich sey, und rücksichtlich die von einer hohen 
Landesstelle in einem speciellen Falle und sohin über eine Amts¬ 
vorstellung der Ortsobrigkeit erlassene allgemeine Weisung an¬ 
zuführen, dann wird der Verfasser dieses Aufsatzes versuchen, 
seine Meinung zu vertheidigen, daß die bestehenden Gesetze das 
oberwähnte Verfahren in Ansehung der Minderjährigen nicht 
wohl rechtfertigen. 
Nachdem der Victualienhandel, d. i. der Handel mit Lebens¬ 
mitteln, freygegeben wurde, ereignete sich der Fall, daß eine 
politische Obrigkeit über die Anzeige eines gewissen L. R. er¬ 
hob, daß seine Geburtsobrigkeit die ihm zur Großjährigkeit 
fehlende Zeit von 4 Jahren und 8 Monaten nachsah, und daß 
sie ihn für großjährig erklärte. Da nun der §. 252 des a. b. 
G. B. das zurückgelegte zwanzigste Lebensjahr zur Erlangung 
der Nachsicht des Alters als Bedingung festsetzt, und da es 
erwiesen war, daß L. R. noch nicht zwanzig Jahre zählte, so 
zeigte die Ortsobrigkeit diesen Umstand einer hohen Landesstelle 
an, worüber der Bescheid von 13. October 1818 dahin erfolgte 
»Indem das Commissionsprotokoll der Herrschaft ** über eine 
gesetzwidrige Großjährigkeitserklärung dem betreffenden Appel¬ 
lationsgerichte zur Amtshandlung übermacht wird, findet die 
Landesstelle die Ansichten der untern Behörde dahin berichtigen 
zu müssen, daß der ganz freygegebene Victualienhandel ohne 
Max-Planck-Institut für 
uropäische Rechtsgeschichte
	        
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