Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1832, Bd. 2 (1832))

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Hauptblatt. 
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XXVIII. 
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Erörterung der Frage; 
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ob Minderjährige zur Ausübung eines frey gegebenen 
Handels oder einer sogenannten freyen Beschäftigung 
die Genehmigung ihrer Vormundschafts- oder Cura¬ 
tels=Behörde bedürfen? 
Mse 
Vom 
Herrn Leopold Staüdinger, 
Civil =Justizrathe des wiener Magistrates. 
Man sollte meinen, daß nach den im allgemeinen bürgerlichen 
Gesetzbuche in Ansehung der besonderen Fürsorge für Minder¬ 
jährige ausgesprochenen Grundsätzen es keinem Zweifel unter¬ 
liege, daß Minderjährige nicht berechtigt sind, für sich allein 
einen Handel zu betreiben, sondern daß vorläufig hierzu die 
Einwilligung ihres Vaters oder Vormundes und die Genehmi¬ 
gung ihrer Curatels- oder Vormundschafts=Behörde erfolgen 
müsse; allein das Verfahren der politischen Stellen liefert den 
Beweis von der entgegengesetzten Ansicht. 
Es wird nähmlich über ein Gesuch, womit der Ortsobrig¬ 
keit angezeigt wird, daß der Bittsteller eine freye Beschäftigung 
treibe, keine Ausweisung seines Alters verlangt, sondern so= 
gleich die Bemessung der Erbsteuer vorgenommen; es ist sogar 
den Ortsobrigkeiten untersagt, über derley Anzeigen von freyen 
Beschäftigungen was immer für eine Erhebung zu pflegen. 
Dadurch geschieht es nun, daß die Curatels= und Vormund= 
schaftsbehörden von dem Betriebe einer freyen Beschäftigung, 
welche ein ihrer Jurisdiction unterstehender Pflegebefohlener 
führt, entweder gar nicht, oder erst nachträglich, wenn es sich 
Max-Planck-Institut für
	        
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