Full text: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde (Jg. 1844, Bd. 3 (1844))

Notizenblatt. 
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gen, und das sei ein großes Hemmniß der Fortbildung. Sei nun das erste wahr 
oder nicht wahr, wir wollen uns darüber hinaussetzen, um das zweite, was gewiß 
wahr ist, zu vermeiden. 
Ueber die Grundansichten, von welchen der Herr Verf. ausgegangen, 
spricht sich derselbe ebenfalls in der Vorrede dahin aus, daß er, theils aus wissen¬ 
schaftlichen Gründen, theils wegen seiner äußeren Stellung, von der üblichen Tren¬ 
nung und Verbindung der Volkswirthschaftslehre und Wirthschafts=Polizei abge¬ 
gangen, und in die National-Oekonomie eine Reihe von Lehren gezogen habe, die 
man blos in der Wirthschafts=Polizei zu suchen gewöhnt ist, — daß es ihm scheine 
die National=Oekonomie habe nicht blos die Aufgabe, die aus der Erfahrung abstra¬ 
birten sogenannten Naturgesetze der Volkswirthschaft darzustellen, sondern vielmehr 
zu zeigen, wie sich Fortschritte, neue Gestalten im Gebiete der Volkswirthschaft 
künftig bilden können, werden und sollen, — daß das Princip der Volkswirthschaft 
nicht der Eigennutz sei, sondern wesentlich der Gemeinnutzen. Eine dahin abzwe¬ 
ckende wirthschaftliche Ordnung und gemeinsame Thätigkeit erwarte der Verfasser 
zwar theilweise von der Einwirkung der Regierung, allein in noch höherem Maße 
von der fortschreitenden Einsicht der Bürger in die Gemeinsamkeit ihrer Interessen 
und von einem in wirthschaftlichen Dingen mehr herrschend werdenden sittlichen 
Geiste. 
Bei einer Schrift, welche wie die vorstehende in einer mäßigen Bogenzahl die 
Wahrheiten und Regeln des wirthschaftlichen Lebens eines Volkes darstellen soll, 
hat die vom Herrn Verf. gewählte Behandlungsform große Vorzüge gegenüber der 
Methode der Absonderung der Volkswirthschaftslehre von der Volkswirthschaftspo¬ 
litik. Diese macht Hindeutungen und Wiederholungen nöthig, bereitet wohl auch 
Schwierigkeiten bei der Einreihung der einzelnen Gegenstände und eignet sich mehr 
für ein großes Werk, welches auf breiter statistischer Grundlage die Regeln und 
Hilfsmittel für die ökonomische Thätigkeit der Regierungen zu erörtern sich zur Auf¬ 
gabe gestellt hat. Unangenehm berührte uns aber der Ausdruck »Wirthschafts¬ 
Polizei» auf der zweiten und dritten Seite der Vorrede. Von einer neuerlichen 
Zusammenwerfung durch einen berühmten Collegen des Herrn Verf. abgesehen, hat 
sich die Theorie bemüht, diese beiden Thätigkeiten der Staatsverwaltung durch Son¬ 
derung und genaue Feststellung der Zwecke, worauf sie zu wirken haben, getrennt 
darzustellen, und hat für jene Thätigkeit, die auf den wirthschaftlichen Zweck hin¬ 
wirkt, den sehr passenden Ausdruck: Volkswirthschaftspflege oder Wohlstandssorge 
gewählt. Auch werden nach den Verwaltungseinrichtungen der meisten Staaten 
die wirthschaftlichen und polizeilichen Geschäfte abgesondert geleitet. Es scheint daher 
nicht wohlgethan, die zwei Arme, welche sich nach verschiedenen Principien und 
nach verschiedenen Richtungen bewegen, in Einen Aermel zu stecken. 
Mit der Ansicht, das Princip der Volkswirthschaft sei nicht der Eigen¬ 
nutz, sondern wesentlich der Gemeinnutzen, und in die schöne Erwartung, 
der in wirthschaftlichen Dingen mehr herrschend werdende sittliche Geist werde 
Max-Planck-Institut für
	        
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