Full text: Archiv für die Rechtspflege und Gesetzgebung im Großherzogthum Baden (Bd. 2 (1832))

Donsbach, Mord aus Eifersucht. 
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Jos. Br. ist kein Jüngling mehr, sondern ein bejahrter 
Mann von 54 Jahren (d. 13. Febr. 1773 geboren) und Ehe¬ 
gatte (seit Febr. 1801 mit Elis. D. verheirathet) der bereits 
seine silberne Hochzeit feiern konnte. 
In einem solch vorgerückten Alter und Stande ist die 
Liebe bei Eheleuten, die zufrieden und glücklich miteinander 
leben, in ein stilles, sanftes Verhältniß der Freundschaft 
übergegangen. Auch die Geschlechtslust übt die Gewalt nicht 
mehr aus wie bei dem Jünglinge, wenn nicht Gewohnheit 
an Ausschweifungen die Befriedigung dieser rohen Sinnenlust 
zum Bedürfniß macht; aber gerade der Wollüstling heftet 
seine Neigung nicht an eine Person, sondern er liebt das 
Geschlecht, und findet nach dem Bekannten —varietas delectat- 
neuen Reiz im Wechsel. 
Br. war kein ausschweifender Mann in dem Sinne, daß 
man ihn Wollüstling nennen könnte; denn obgleich das Sitten¬ 
zeugniß von seiner geistlichen Behörde sagt, daß er von Zeit 
der Veräußerung seiner Güter (im J. 1817) und Niederlegung 
seines Bauerngewerbs an in Müßiggang und aus diesem in 
Ausschweifungen versunken sey, daß er — wenn früher nur 
dem Mammon, von nun an der Venus vulgivaga geopfert 
habe, — so sprechen doch weder dieses officielle Zeugniß, 
noch die Aussagen vieler abgehörten Zeugen von dem Umgange 
Br's mit andern Weibspersonen als mit der ledigen Fran¬ 
ciska R., Taglöhners Tochter in Ehr., auf welche erst im 
Jahr 1821 seine Neigung sich fixirt hat. 
Br's Mord an dieser Dirne ist auffallend, und für den 
Psychologen zu ernsten Betrachtungen auffordernd. Doch läßt 
sich diese That theils aus den individuellen Eigenschaften des 
Mörders, theils aus seinen Verhältnissen sowohl mit seiner 
Ehegattin als mit seiner nachherigen Geliebten erklären. 
Br., der eheliche Sohn eines vermöglichen Bauern von 
Ehr., wurde in seiner Jugend zur Kirche und Schule fleißig 
angehalten, worin er Eifer und Fähigkeit zeigte und eine 
zwar dürftige, jedoch für seinen Beruf und Stand ausrei= 
chende Bildung erhielt. Sein Körperbau ist von vorzüglicher 
Größe und Stärke, sein Gemüth aber sehr reizbar und heftig. 
Seine Sprache ein Stammeln und Murmeln, sein Character 
heimtückisch, zurückgezogen und erwerbsüchtig. Seine 25jäh¬ 
rige Ehe ist mit keinen Kindern gesegnet, es fehlt also das 
Max-Planck-Institut für 
Uropäische Rechtsgeschichte 5
	        
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