Full text: Österreichische Zeitschrift für Rechts- und Staatswissenschaft (Jg. 1847, Bd. 1 (1847))

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XXVI. 
Criminalrechtsfall (im Auszuge) mit Bemerkungen zur 
näheren Erörterung der Frage: ob die Entwendung eines 
Sparcasse =Einlagbüchels das Verbrechen des Dieb¬ 
stahls nach Maßgabe des eingelegten Betrages 
begründe. 
Von Herrn Franz Erhart, 
Rathe bei dem Criminalgerichte der k. Hauptstadt Prag. 
Cajus hat am 1. Januar 1840 dem Sempronius ein Sparcasse= 
Einlagsbüchel im Betrage pr. 1000 fl. C. M. entwendet, und noch an 
demselben Tage seinen Wohnort verlassen. Sempronius zeigte dieses bei 
dem competenten Criminalgerichte (zu B) an, und machte zwei Zeugen 
namhaft, welche eidlich bestätigten, daß Cajus am 3. Januar 1840 
wirklich im Besitze eben dieses Sparcasse=Einlagbüchels war, und dasselbe 
an X verkaufen wollte, vorgebend ver habe es von Sempronius erkauft.' 
Das Criminalgericht erkannte in dieser Handlung das Verbrechen 
des Diebstahls, fand den Cajus dieses Verbrechens rechtlich beanzeigt, 
verfolgte denselben mit Steckbriefen, und erließ unter Einem das Er¬ 
suchschreiben an die Sparcassedirection, daß der Geldbetrag, über wel¬ 
chen das Einlagsbüchel ausgestellt war, im Falle er mittlerweile nicht 
erhoben sein sollte, an Niemanden ausgefolgt, und jener, der sich um 
die Ausfolgung anmelden sollte, zum Behufe seiner Einvernehmung an 
das Criminalgericht gestellt werden möge. Hierauf erwiderte die Direc¬ 
tion, daß der Betrag bisher nicht erhoben, an die Casse aber die Wei= 
sung erlassen worden sei, denselben an Niemanden auszufolgen. Später 
leitete Sempronius die Amortisirung dieses Einlagbüchels ein, und da 
während der Proclamirungsfrist Niemand einen Anspruch geltend ge¬ 
macht hatte, wurde dasselbe auch amortisirt, ein Dupplicat ausgefer¬ 
tigt, und später darauf der Geldbetrag an den Sempronius wirklich 
ausgefolgt. 
Max-Planck-Institut für
	        
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