Full text: Österreichische Zeitschrift für Rechts- und Staatswissenschaft (Jg. 1849, Bd. 1 (1849))

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Anz. üb. Dessary's: Postverfassung. 
1642 — auch der Zeitpunct, an welchem diese finstere Organisirungsver= 
stümmlung zu Grabe ging. 
Noch viel weniger als die Staatspost bietet jedoch die Entstehung 
und Entwicklung der Privatpostanstalt irgend einen haltbaren Anhalts¬ 
punct für den vom Herrn Verf. angegebenen Zweck der Posten. 
In Frankreich entwickelte das Bedürfniß, da die Staatspost nur 
für die Regierung errichtet wurde, die Einrichtung der Universitätsbrief¬ 
boten. Sie war die von der Universität in Paris getroffene Veranstaltung, 
daß besoldete Universitäts=Fußboten für ein bestimmtes Briefgeld den Brief= 
wechsel zwischen den Studierenden und deren in den Provinzen wohnenden 
Verwandten bestellten *). Das Briefgeld floß in die Universitätscasse. 
Und schon im Jahre 1206 bestätigte König Philipp August die Vorrechte 
der Universität, somit auch ihr Botenwesen. — Diese Boten, von ihrer 
Schnelligkeit fliegende Boten genannt, besorgten auch die Beförderung der 
Privatcorrespondenz für das Publicum, und wurden erst, nachdem die 
Staatspost sich zu einer allgemeinen Postanstalt ausbildete, von Ludwig 
dem XV. im Jahre 1719 aufgehoben. 
Jn Deutschland bestand ein Botenwesen für Privatcorrespondenzen 
und Sendungen schon im Jahre 1241, aber nur für Briefwechsel und 
Handelszwecke bei Errichtung der Hansa 2). Diese Anstalt erhielt dann 
eine immer weitere Ausdehnung, und rief eine regelmäßige Botensendung 
von Stadt zu Stadt hervor. 
Ganz vorzüglich dienten als Beförderungsmittel für Briefe und Sen= 
dungen, wo regelmäßige Botencourse mangelten, die Metzger, welche ihre 
Knechte in entfernte Gegenden in Gewerbsangelegenheiten entsendeten, 
und die zugleich durch Besitz von Pferden berufen schienen, auch Bespan= 
nungen von Stadt zu Stadt stets leisten zu können. — Diese bedienten 
sich schon gleich ursprünglich des Posthorns als Abzeichen, obgleich erst im 
Jahre 1615 das Blasen für die Kaufleute als Zeichen des Anlangens 
ihrer Briefe eingeführt wurde. 
1) Sieh hierüber Ch. G. Vischer's a. gesch. Zeittafel des Postwesens, Tu¬ 
bingen 1820.— Mathias wie oben S. 65 u. s. w. 
2) Hamburg und Lübeck als Hauptorte zogen noch viele andere Städte in das 
Botennetz, wodurch die Botencurse Hamburg, über Lübeck, Rostock, Stettin 
u. s. w., Amsterdam, Nürnberg, Wien, Leipzig, Salzburg, Stuttgart 2c, 
entstanden. 
Max-Planck-Institut für
	        
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