Full text: Sammlungen zu den deutschen Land- und Stadtrechten (Th. 3 (1775))

Max-Planck-Institut für 
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Geschichte 
durch eigene Anmaßung, unter Begünstigung gewißer Zeit Umstände, an sich 
zubringen wusten. Und eben zu Ausübung dieses Blut-Bannes oder der Kay¬ 
serlichen Ober-Gerichtsbarkeit, wurden, wie schon angeführet, in die Städte 
diejenigen Beamten gesetzet, welche unter dem Namen der Doigte bis hieher 
schon erkannt worden sind. Letztere, um die Städte nicht eifersüchtig, auf ihre 
erlangte eigene Freyheit zu machen, zogen die bürgerliche Obrigkeit zur Bese¬ 
tzung ihrer Gerichtsbank, und hierdurch ward solcher endlich die Bahn zu der 
mit der Zeit völlig erlangten Patrimonial-Gerichtsbarkeit gebrochen, als die 
Kayserlichen Voigte von der Gerichtsbarkeit der Städte nach und nach verdrun= 
gen worden waren. 
Auf ähnliche Art ist auch der erste Gerichts-Stuhl zu Freyberg erwachsen, 
und dieser Ort würde vielleicht eben so, wie Chemnitz und Zwickau, den Na¬ 
men und die Vorrechte einer Kayserlichen freyen Reichs=Stadt, vielleicht auch 
eben so lange, wie diese behauptet haben, woferne seine Erbauung nur ein Jahr¬ 
hundert zeitiger erfolget wäre; allein, hierzu kam solcher gegen das Ende des 
zwölften Jahrhunderts, worinne die Aufkunft erfolget ist, viel zu spät. 
Die 
Schwäche Kayser Friedrichs des andern, welche mit seinen Regierungs Jahren 
sich vermehrete, und die Stärke, welche unter deßen entkräfteter Herrschaft die 
Reichs=Stände zu sammlen vermochten, nebst den unglücklichen Folgen des nach 
seinem Tode eingetretenen großen Zwischen-Reichs, beförderte auch die Macht 
des damals lebenden Marggrafen zu Meißen. Heinrich, der Erlauchte, in 
deßen Regierungs-Jahren wir oben stehen geblieben sind, hatte durch seine Ge¬ 
walt, welche ihn auch endlich in den ruhigen Besitz des Landgrafthums Thü¬ 
ringen setzete, sich so respectabel gemachet, daß ihm ganz Deutschland die Hoch 
achtung nicht versagte, welche seine erhabenen persönlichen Verdienste zugleich 
forderten. Verschiedene mächtige Fürsten suchten seine Freundschaft, und ver¬ 
knüpften solche durch enge Bündniße. Andere, und mindermächtige Reichs¬ 
Stände, welche sich den Bedruckungen ihrer Nachbarn ausgesetzet sahen, 
warffen sich gar in seinen Schutz, welchen dieser Prinz auch großmüthig ertheilte. 
Dieser Zusammenfluß von Macht und Hoheit, nebst den Folgen des unter seinen 
Regierungs=Zeiten ausgebrochenen Interregni erleichterten Heinrichs Absichten, 
den zeithero noch aus dem Grunde des strengen Lehns-Systems fortgedauerten 
unmittelbaren Kayserlichen Einfluß in seine weitläuftige Staaten, zu mildern, 
und nach und nach weiter zu entfernen, und die hierzu gethanen Schritte sind 
besonders zu Freyberg sichtbar, auf zwar nahen, jedoch noch gar nicht in ihr 
gehöriges licht gesetzten Spuren. Moller (n) schreibet zwar von Freyheiten, 
welche dieser Ort einzig und allein der Milde Marggraf Heinrichs zu danken 
haben 
(n) Jn der Freybergischen Chronick 1. Theil, S. 162. u. f.
	        
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