Full text: Sammlungen zu den deutschen Land- und Stadtrechten (Th. 3 (1775))

des Freybergischen Stadt=Rechts. 
durch unmittelbar zu dem auch ritterlichen Vorrechte, Waffen zu führen, wel¬ 
ches absonderlich die Freybergischen Bürger zu genüßen hatten, indem an ver= 
schiedenen Orten des Stadt=Rechts, als von einem Vorzuge der Einwohner, 
Schwerdt und Meßer zu tragen, geredet wird. Die Vereinigung der in die 
Städte gezogenen Einwohner in besondere so genannte Gemeinheiten, und die 
Aufmunterung offener Köpfe unter sich, beförderten den Anwachs der Künste 
und Handwerker, und überhaupt den Betrieb desjenigen, was man jetzo unter 
dem Ausdrucke: bürgerlicher Nahrung, begreifet. Indem nun der Landmann 
solchergestalt die Erholungs=Ovellen seiner Bedürfniße zu finden wuste, erlan¬ 
geten, zu desto mehrerer Aufnahme, und kräftiger Erhaltung dieses Mittels, 
die Städte den Vorzug eines Ausschlüßungs=Rechts, über die umher liegende 
Landschaft, deßen weit ausgedehnte Folge bey der Stadt Freyberg ein einziges 
unten anführendes Beyspiel schon hinlänglich beweisen wird. Ein jeder, wel¬ 
cher in die Stadte aufgenommen ward, kunnte auf den Stand der Freyheit so 
sichere Rechnung machen, daß auch ein Leibeigener, welcher eine Freystaͤdte dar¬ 
inne wider die Härte seines Herrn suchete, diese Freyheit ohne besondere Ma¬ 
numission, von selbst erlangete, wenn ihn sein Herr nicht binnen Jahr und Tag 
reclamiret hatte. Durch den Zusammenfluß dieser und vielfältig anderer er¬ 
langter Vorzüge, bekamen die also zusammen getretene Gemeinheiten eine voll¬ 
kommen bürgerliche Freyheit und politische Macht. Da aber der politische 
Grundsatz des auch in die Städte eingefloßenen Lehns=Systems vorzüglich dahin 
sich auflösete, daß kein freyer Mensch nach gezwungenen Gesetzen regieret, oder 
mit dergleichen Steuern beleget werden kunnte; so ward den Stadten hierdurch 
das Mittel in die Hände gespielet, sich nicht nur durch eine aus ihrem Mittel 
über sich aufgeworfene Obrigkeit zu regieren, sondern auch Regeln des bürgerli¬ 
chen Lebens selbst vorzuschreiben, welche durch den einstimmigen Zuruff des 
Volkes nachhero ihnen unter dem Namen der Gesetze einen freywilligen Zwang 
auflegten. Und hierinne ist der Ursprung nicht allein des Freybergischen Stadt¬ 
Rechts, sondern auch aller anderer Städtischer gleicher Ordnungen zu suchen. 
wovon noch heutiges Tages die so genannten Statuten, als schwache Ueberbleib¬ 
sel anzusehen sind. Doch diese freywillige Verbindung gieng anfänglich nur auf 
das Privat Eigenthum, und der Ober=Herr, wir wollen aber noch einmal wie= 
derholen, daß selbiger über Meißen ursprünglich der Kayser gewesen ist, behielt. 
nach dem zur Lehns=Politic gelegten Plane, die Ausübung einer höhern Ge¬ 
richtsbarkeit, welche von daher an auch Ober-Gerichte genennet worden sind 
so lange, bis die Reichs=Vasallen die Rechtsförmige Erblichkeit ihrer Staaten 
erlangeten, und auch alsdenn behaupteten die Kayser noch lange Zeit festen Fuß 
unter dem Vorschub der obersten Schutz=Gerechtigkeit, worunter selbige den 
Blut=Bann, einen Ausfluß Kayserlicher Regalien so lange ausübten, bis auch 
diesen die Reichs=Stände, theils durch besondere Kayserliche Verleihung, theils 
Schotts Samml. 3. Th. 
durch 
Max-Planck-Institut für
	        
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