Full text: Juristische Zeitung für das Königreich Hannover (Jg. 14 (1839))

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selbst ohne Einfluß und diene bloß zur Beruhigung des 
Gewissens des Schwörenden. 
Wäre jener Grundsatz prout delatum est jusjuran¬ 
dum, ita praestari debet, wirklich so allgemein und 
ohne Einschränkung gültig, wie die Worte lauteten, so 
würde daraus folgen, nicht, daß der Eid so, wie er lautet, 
geschworen werden müsse, sondern, daß hier gar keine 
Eideszuschiebung Statt fände. Der Eid sei eine an das 
Gewissen gelegte Folter, eine tortura spiritualis, wo¬ 
durch der Beklagte zum Geständniß gebracht werden, 
dessen Schuld oder Unschuld an den Tag kommen solle. 
So lange nun ein Beklagter nicht nöthig habe, auf das 
Ungewisse eine Schuld zu tilgen, werde er auch nicht 
nöthig haben, sich auf das Ungewisse für schuldig zu be¬ 
kennen, er könne also auch nicht durch Eideszuschiebung 
gezwungen werden, ein solches Geständniß abzulegen. 
Der Beklagte könnte zwar den Eid zurückschieben, 
aber dürfe er deshalb ohne zulänglichen Grund der freien 
Wahl zwischen dem Schwören und Zurückschieben beraubt 
werden? Das Zurückschieben des Eides sei ein Recht, 
wovon der Beklagte Gebrauch machen könne, es aber zu 
thun nicht nöthig habe. Er könne auch hier wählen 
zwischen dem Schwören des Eides (des juramenti igno¬ 
rantiae) und dem Zurückschieben desselben. Beschränkt 
auf das Zurückschieben, würde es leicht geschehen, daß 
er Unrecht leiden müßte, er, der Gewissenhafte, von dem 
minder Gewissenhaften. Denn das Zurückschieben sei 
mißlich und finde selbst nicht einmal in allen Fällen Statt. 
Man könnte zwar einwenden, auf diese Art würde 
der Beklagte seine Vergeßlichkeit und Unachtsamkeit sich 
zu Nutze machen und Vortheile daraus ziehen, die er 
Max-Planck-Institut für
	        
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