Full text: Jahrbücher des Großherzoglich Badischen Oberhofgerichts (N.F. Jg. 2 = Jg. 9. 1834 (1835))

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Eheordnung entnommen, wo doch nicht diese, sondern das 
Landrecht als neueres Gesetz maaßgebend sey. Dieses kenne 
aber im Satz 229. nur den wirklichen Ehebruch der Frau 
als Scheidungsursache, nicht aber einen Ehebruch aus wollü¬ 
stiger Vertraulichkeit mit Fremden. Zwar sey im §. 18. des 
ersten Einführungs=Edictes die Eheordnung noch beibehalten, 
in so fern sie nicht buchstäblich abgeändert worden, allein 
diese Abänderung wäre wirklich eingetreten, weil das Land¬ 
recht nur den wirklichen Ehebruch als Scheidungsursache 
kenne, und der andern Art des Ehebruchs, durch wollüstige 
Vertraulichkeit, nicht erwähne, welches doch hätte geschehen 
sollen, wenn dieser Ehescheidungsgrund aus der Eheordnung 
hätte beibehalten werden wollen, zufolge L. R. Zusatz 232. a. 
Erstes Einführungs=Edict §. 18. L. R. Zusatz 311. a., 
Regierungsblatt von 1812, Nr. 29. Absch. 2. und Nr. 33. 
Abs. 1 — 5. 
Es könne auch nicht eingewendet werden, daß in jener 
wollüstigen Vertraulichkeit ein Adulterium præsumtum ent¬ 
halten sey; denn es nehme der höchste Gerichtshof an, daß 
auf bloße Indicien eine Scheidung nicht ausgesprochen wer¬ 
den könne, sondern dazu directer Beweis erforderlich sey. 
O. H. Gerichtliche Jahrbücher von 1827 und 1828. S. 
46. folg. S. 55. 
Es ward weiter auszuführen gesucht, daß durch die 
Zeugen die Identität der Person nicht hergestellt sey, indem 
sie es in Zweifel ließen, ob die auf unrechtem Wege wan¬ 
delnde Frau die Beklagtin gewesen sey. 
mie.0a 
Durch Urtheil des zweiten oberhofgerichtlichen Senats 
vom 22. August d. J. ward das hofgerichtliche Scheidungs¬ 
Urtheil lediglich bestätigt, und es kam bei der Deliberation 
über die vorwürfige Frage Folgendes vor. 
Der Referent bemerkte: wenn das Landrecht im Satz 
229. sage: 
Qrhiirgiid 
„Der Mann kann die Ehescheidung wegen eines von 
Max-Planck-Institut für 
europäische Rechtsgeschichte 75
	        
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