Full text: Annalen der preußischen innern Staats-Verwaltung (Bd. 4, H. 1 = Jg. 1820, Jan. - März (1820))

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ihm vorgefundenen Habseligkeiten aufnehmen, und ihn 
unter sicherer Begleitung an das Landräthliche Amt 
des Kreises mit dieser Verhandlung abliefern. Letzte¬ 
res mittelt sodann ohne Zeitverlust aus: 
a) ob dem Verhafteten neben dem Betteln und Vaga= 
bondiren auch ein Verbrechen zur Last fällt, in wel¬ 
chem letztern Falle derselbe zur Untersuchung an das 
betreffende Gericht abgeliefert wird; oder 
ob er ein muthwilliger Bettler oder Landstreicher 
ist; oder 
c) bloß als ein sonst Unverdächtiger durch eingetretenen 
unvorhergesehenen Mangel um eine Gabe gebeten 
hat? 
Im zweiten Falle ist der Verhaftete, wenn er Einlän¬ 
der ist, sofort in die zu seiner Aufnahme gesetzlich verpflich¬ 
tete Commune, und wenn er Ausländer ist, über die Grenze, 
unter sicherer Begleitung, zu schaffen. 
Im dritten Falle kommt es ebenmäßig darauf an: ob 
der Verhaftete ein Ausländer oder ein preußischer Unter¬ 
than ist. Ist er ein Ausländer, so wird er wie im zweiten 
Falle behandelt; ist er ein preußischer Unterthan, so ist 
ihm, wenn er auf dem Lande aufgegriffen wurde, von dem 
Landrath, in den Städten aber ohne Weiteres von der 
Orts=Polizeibehörde selbst ein Paß nach seiner Heimath, 
unter Vorschreibung des geraden Weges von Stadt zu 
Stadt, und mit der Verpflichtung zu ertheilen, den Paß 
in jedem Nachtquartier und in jeder auf dem Wege bele¬ 
genen Stadt visiren zu lassen, und unter der in den Paß 
zu setzenden Warnung: daß, im Falle er von dem ihm vor= 
geschriebenen Wege abweicht, er als wirklicher Vagabond 
behandelt werden soll. 
Die absendende Behörde hat von dieser Maaßregel der 
Polizeibehörde des Heimathsortes des Aufgegriffenen Nach¬ 
richt zu geben. 
In der Heimath eines ergriffenen Bettlers muß von 
der Ortsbehörde dafür gesorgt werden / daß der Bettler 
a) entweder, wenn er arbeitsfähig ist, seinen Lebens¬ 
Max-Planck-Institut für
	        
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