Full text: Annalen der preußischen innern Staats-Verwaltung (Bd. 3, H. 2 = Jg. 1819, Apr. - Jun. (1819))

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Lokalitäten, Werkzeuge und Materialien durch Beschränkung 
sowohl der Zahl der Gewerbetreibenden, als des Umfan= 
ges jedes einzelnen Gewerbes, weil durch die Zunftein= 
richtung ein solider Vermögensstand der Handwerker sich 
erzeugt und erhält. „Dieser Vortheil ist, nach S. 16. 
„durch die Aufhebung der Zunftverfassung verloren ge= 
„gangen und Verarmung der Handwerker und Schaden 
„des Publikums erzeugt. Die zunächst entstandene Riva= 
„lität setzte Anfangs die Preise herab, weil man sich 
„durch Wohlfeilheit zu überbieten suchte; daher wurden 
„aber zuerst alle Arbeiten schlecht, indem sich die niedri¬ 
„gen Preise sonst nicht aushalten ließen, und verarmten 
„gerade die besten Meister, welche sich weder zu Spott= 
„preisen, noch zu schlechter Arbeit entschließen konnten. 
„Der Vortheil des Publikums war aber auch im Anfange 
„nur scheinbar, und wurde später in direkten Schaden 
„verwandelt. Erst kaufte es schlechte Arbeit wohlfeil 
„und später mußte es sie theuer bezahlen. Die gründ= 
„liche Arbeitsweise war einmal verloren gegangen, die 
„guten Arbeiten waren seltener geworden, und mußten 
„theuer bedungen werden, und der Nachwuchs für die 
„Gewerbe, deren Leins, einzeln betrieben, so leicht mehr 
„einen sichern Verdienst abwarf, verringerte sich. Es ist 
„ganz entschieden, daß der Gesellenlohn seit der Aufhe= 
„bung der Zünfte um die Hälfte gestiegen ist, und der 
„Hausvater, welcher seine jetzigen und ehemaligen Haus= 
„haltungsbücher, seine neuen und seine alten Hausge¬ 
„räthschaften mit einander vergleicht, wird finden; daß 
„er durch die Aufhebung der Zünfte doppelt verloren 
„Wirklich haben sich durch die Aufhebung 
„hat." 
„der Zünfte einzelne Meister sehr gehoben, und dies ist 
„besonders bei denen geschehen, welche einen fabrikmäßi¬ 
„gen Betrieb zuließen, allein bei diesem Betrieb hat das 
„Publikum im Ganzen nicht wahrhaft gewonnen, weil 
„er die Waare nicht von der innern Güte und Dauer 
„lieferte, wie der Handwerksbetrieb." In einem An¬ 
hange liefert der Verf. höchst zweckmäßige Grund¬ 
linien über die Einrichtung der Handwerks¬ 
schulen. 
Max-Planck-Institut für
	        
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