Full text: Annalen der preußischen innern Staats-Verwaltung (Bd. 15, H. 4 = Jg. 1831, Okt. - Dez. (1831))

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sichtlich nicht angetragen, weil dafür zu halten, daß das 
Gymnasial=Zeugniß über die theoretische wissenschaftliche Vor= 
bildung des Kandidaten genügsam Ausweis giebt, praktische 
Geschäftskenntniß aber von solchen Adspiranten gar nicht zu 
erwarten ist, mithin eine solche abermalige Prüfung entweder 
nur die Richtigkeit des Gymnasial-Zeugnisses, oder etwa 
die mehr oder mindere Güte der natürlichen Anlagen des 
Kandidaten zum Gegenstande haben würde. Ersteres ist schon 
nach der Stellung der Regierungen zu den Gymnasien un¬ 
zulässig; letzteres aber kann zweckmäßiger und sicherer durch 
die Beschäftigung selbst geprüft werden, und es ist in Be= 
ziehung hierauf durch die mehrerwähnte Allerhöchste Kabi¬ 
nets=Ordre noch ausdrücklich bestimmt, daß die Supernu= 
merarien durch die Zulassung zu den Geschäften allein noch 
durchaus kein Anrecht auf Anstellung erwerben, vielmehr 
bei sich zeigendem Mangel an praktischer Brauchbarkeit so¬ 
gleich wieder entlassen werden sollen. 
Nach diesen Rücksichten wird daher — wo dies bei 
einzelnen Regierungen bisher noch stattgefunden haben sollte, 
— künftig von einer besonderen Prüfung solcher zur An¬ 
nahme als Civil-Supernumerarien sich meldenden Personen, 
welche sich über die Bedingungen zu §. 9. a. b. und c. 
der Allerhöchsten Kabinets=Ordre vom 31. Oktbr. 1827.*) 
vollständig ausweisen, in der Regel ganz abzustehen sein, 
und es mag nur etwa ausnahmsweise in den Fällen, wo 
das Schulzeugniß auf eine nicht völlig zufriedenstellende 
Vorbildung in den für die künftige Beschäftigung des Kan¬ 
didaten wesentlicheren Fächern, als z. B. in den mathema¬ 
tischen Kenntnissen, schließen läßt, eine solche Prüfung statt¬ 
finden, die sich dann jedoch nur auf die theoretische Kennt¬ 
niß und Fertigkeit, welche die Schule lehren kann, nicht aber 
auf die praktische Anwendung des Erlernten auf speziellere 
Dienstgegenstände zu erstrecken hat. Der hierbei etwa be¬ 
sorglichen Ueberfüllung der Büreaus mit praktisch minder 
brauchbaren Kandidaten wird durch strenge Beobachtung 
der vorhin schon erwähnten Vorschrift, wegen unnachsicht= 
licher Wiederentfernung solcher Supernumerarien, durch de¬ 
*) Jahrg. 1827. 4tes Heft, S. 869. ff. 
Max-Planck-Institut für
	        
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