Full text: ¬Der Waffenträger der Gesetze (Nr. 2. 1801, Febr. (1801))

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Waffenträger der Gesetze. 
chen daure, wenn sie Staatsämter dem Meistbietenden öffent= 
lich seilgiebt, und dadurch gleichfalls bestechliche Staatsbeamte 
ohne alle Kenntnisse erhebt: dann tritt freylich der Fall ein daß 
die Regierung unter der Stufe der Nationalkultur zurückbleibt. 
Wir geben gern zu daß Alles dieses in dem bemerkten Staate Un= 
willen und Mißvergnügen erregen, das Zutrauen und die Ach= 
tung gegen die Regierung schwächen, Haß gegen die Gesetze und 
Geringschätzung gegen ihre Verweser erzeugen, und so den Wunsch 
zu einer neuen Organisation bey den Edelgesinnten beleben mußte, 
dem auch der neue gerechtigkeitsliebende Regent auf alle Weise 
zu begegnen sucht. Wir können aber von der andern Seite auch 
nicht bergen, daß müssige unberufene Projektmacher ohne An¬ 
stand die gefährlichste Classe im Staate, den Organisationslär= 
men noch mehr vergrößern, und gern ein neues Jerusalem her= 
vorzaubern möchten. Der Regent der mit päterlichem Wohlwol= 
len sein Volk emporheben will, hat deswegen doppelt Bedachtsam¬ 
keit und reife Beurtheilungskraft nöthig. Er fasse sein hohes Ziel 
vor Augen, sey gegen Zeit und Umstände nicht völlig gleichgül= 
tig, er beherzige die Stufe der Cultur, worauf seine Unterthanen 
stehen, ihre innere Kraft und ihr äußeres Verhältniß, um zwar 
Fortschritte zu thun, aber solche die nicht übereilt sind, und kei= 
nen noch bedenklicheren Rückfall fürchten lassen. 
. 
Doch wir wenden uns zu der vorliegenden Schrift auf deren 
Verfasser wir durch die uns erlaubten Seitenblicke am wenigsten 
anspielen wollten; derselbe kämpft vielmehr gegen ein fast in allen 
deutschen Staaten eingerissents Unwesen, welches gleichfalls schon 
an so vielen anderen Orten deswegen Veranlassung zu den hef= 
tigsten Klagen gab, und gewiß bey einer neuen Landesorganisa= 
tion alle Beherzigung verdienet. Er versteht S. 6 unter Spor= 
teln nichts anderes als unbestimmte Einkünfte, welche der Staats= 
diener nebst seinem vom Staat bestimmten Gehalte für seine zu 
leistenden Arbeiten gewöhnlich von seinen Mitbürgern und Pri= 
datunterthanen bezieht. Er schildert die großen Nachtheile dersel= 
den sowohl für den Staat im allgemeinen, als für Beamte, 
Richter und deren Subalterne insbesondere mit den lebhaftesten 
Farben, er verlangt daß diese Pest ausgerottet werde, die die 
edel= 
Max-Planck-Institut für
	        
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