§ 6. Wirkungen möglichen Erscheinens eines Postumus.
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der nur durch Willenserklärung erwerben kann, sich in Irrthum oder
Unkenntniß rücksichtlich der Thatsache der Schwangerschaft einer Frau
befindet, welche einen das Testament vernichtenden oder auch nur
einen ihm selbst (dem Erben) vorgehenden Postumus gebären soll?
Aber auch das Gebiet des uns interessirenden objectiven Hindernisses ¬
ist noch abzugrenzen gegenüber einem mit Letzterem zusammenhängenden ¬
Hinderniß gleicher Art. Wie Ulpian in 1. 30 § 1 D.
de A. v. O. H. 29. 2. (Anm. 2) durch Berufung auf einen von
der Jurisprudenz gebildeten Rechtssatz lehrt, tritt jedem Erben, der
sich für seine Erbberechtigung auf Testament oder Gesetz stützt, ein
Delationshinderniß entgegen, wenn die Geburt eines besser berechtigten ¬
Erben in Wahrheit in Aussicht steht3). Auch das ist
ein objectives Hinderniß; denn indem das Recht die mögliche Erbberechtigung ¬
des Ungeborenen in Rechnung bringt, wird die nächste
Erbberechtigung des lebenden Prätendenten in Frage gestellt. Darum
wird diesem so lange nicht deferirt, bis es sich entschieden hat, ob
der bessere Erbe in's Dasein tritt oder nicht. In der That liegt in
den Quellen die angegebene juristische Natur des Hindernisses klar zu
Tage *). — Bisher war nur von einem Hinderniß für den schlechter
Berechtigten die Rede: zur Ergänzung dient eine Einschränkung der
2) So in Anwendung auf eingesetzte Erben die unten zu besprechende 1. 84
D. de A. v. O. H. 29. 2 (Papin.) in den Worten: — sed si vacuo ventre mulier ¬
fuit, — emancipatus aut exter non aliter possunt hereditatem quaerere,
quam si non esse praegnatem (sc. mulierem) sciant —. Ferner begegnet in
Anwendung auf jeden heres voluntarius bei Ulpian, 1. 30 § 1 D. eod., ein Rechtssatz, ¬
welcher das subjective Hinderniß mit der sogleich im Text zu erwähnenden
zweiten Anwendung des objectiven Delationshindernisses so verbindet: Quod dicitur -
„proximus a filio postumo heres, dum mulier praegnas est aut putatur
esse, adire hereditatem non potest: sed si scit non esse praegnatem potest
accipe proximus a ventre, qui suum heredem pariturus est. et non solum ad
testatos haec verba, verum ad intestatos quoque pertinent, et in eo ventre
idem accipias, qui legitimum vel consanguineum pariturus est —
3) Darauf weist schon das „proximus a filio postumo" der 1. 30 § 1 cit.
hin (Anm. 2); mehr noch die folgende Fortsetzung der in Anm. 2 abgedruckten
Stelle: — quoniam mortis tempore qui in utero est, quantum ad moram faciendam ¬
inferioribus et sibi locum faciendum si fuerit editus, pro jam nato
habetur. (Den Schluß bildet der Hinweis auf die gleiche Behandlung der bonor.
possessio.)
*) Vergl. außer l. 30 § 1 cit. den § 4 eod., sodann 1. 3 D. si pars 5. 4.
1. 3 § 9 D. de suis 38. 16. Dazu Leist, Forts. II S. 196-199.