I Buch: Die clericale Zeit. 2. Cap.
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verschrieb ihm an jenem Tage 1500 Gulden Angefälle aus Lehngütern ¬
im Lande Stargard, sobald sie durch Öswald von Dohren's
Tod erledigt sein würden, „um seiner Dienste willen, die er sich
vier Jahre lang laut seines Bestellbriefs zu thun verpflichtet habe".
Da die Erledigung der Güter auf sich warten ließ, erhielt Kettwich
am 11. November 1527 als „Kanzler" Herzog Albrecht's gemeinsam
mit dessen Kanzler Caspar von Schöneich die Exspectanz auf je die
Hälfte der baldiger Eröffnung entgegengehenden Güter Ballin bei
Stargard und Rosenau bei Stavenhagen; als Grund der Belehnung
werden die im Kanzleramte gethanen und ferner zu thuenden Dienste
unter besonderer Hervorhebung angegeben, daß sich Beide erboten,
auf etwaigen Befehl der Herzöge deren „Privilegien, Brief, Siegel
und Handlung zu Schwerin in unser beider Gewölb verwahrt,
zu besichtigen und zu registriren". Diese Güter kamen in den Besitz
der beiden Kanzler. Kettwich war außerdem seit 1541 von Joachim
erblich mit dem Gute Matzdorf (bei Sternberg in der Mark), seit
1550 mit dem Lehnschulzengut Östrow (bei Zielenzig) beliehen*).
Aus seiner Eigenschaft als „Erbherr von Matzdorff" mag hergeleitet
sein, daß er einer Adelsfamilie angehöre. Während Kettwich's Dienstzeit ¬
in Mecklenburg, über welche sonst nichts bekannt ist, hielten sich
der Herzog und seine Gemahlin zur lutherischen Lehre, traten aber
nachher, wie bezeugt wird, in Folge der „Einwirkung strengpapistischer
Kanzler" zum Katholicismus zurück. Einer dieser strengpapistischen
Kanzler war Kettwich; dem vertrauten Rathe Georg's von Sachsen
und Joachim's I. von Brandenburg, der beiden Hauptfeinde Luther's,
konnte man sicher nicht nachsagen, daß er Joachim's Tochter und
deren Gemahl zum Ketzerthum hindrängte2). Gerade um an ihm
eine Stütze für seine antilutherischen Bestrebungen zu finden, verlangte ¬
Joachim im Jahre 1529, daß Kettwich nach Brandenburg
zurückkehre. Die Mecklenburger, in der kritischen kirchlichen Bewegung
ebenso seines Beiraths bedürftig, wollten ihn nicht losgeben. Selbst der
Hinweis half nichts, daß die Wirksamkeit Kettwich's in Brandenburg,
wo ja die papistischen Bestrebungen ihren Hauptschutz fanden, mehr
das Interesse Herzog Albrecht's fördern werde, als in Mecklenburg.
Die Correspondenz zwischen den beiden um des Kanzlers Besitz
streitenden Höfen führte auf brandenburgischer Seite der Kurprinz
*) Wohlbrück, Lebus Bd. 3 S. 526. 544 flg.: Bd. 2 S. 506. Lisch S. 37 fla.
*) So Lisch Bd. 26 S. 13.