Volltext : Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (6 (1916))

Das Salvatorium Papst Eugens IV. vom 5. Februar 1447. 327
und seiner persönlichen Frömmigkeit, durchaus einseitig ist.
Vielmehr muß der Erfolg vornehmlich auch auf die ränke-
volle Staatskunst der Kurie, die der deutschen weit über-
legen war, zurückgeführt werden. Das Salvatorium ist ein
Zeugnis — und zwar ein wichtiges — dieser Diplomatie;
es muß für eine politische Urkunde gehalten werden.
Indessen man würde ungerecht gegen den Papst ver-
fahren, und die Betrachtung wäre unvollständig, wollte man
in dem Bemühen, den Vorbehalt zu „verstehen“, den Seelen-
zustand des schwer erkrankten Mannes nicht berück-
sichtigen.
Sechzehn Jahre zeitweise äußerst heftiger Kämpfe,
teils gegen das Konzil, teils gegen die Nationen, waren
vergangen.1) Eugen war des Haders müde; zudem ahnte
er sein nahes Ende. Nachdem er mit seinen politischen
Feinden, dem König von Neapel und dem Herzog von
Mailand, Frieden geschlossen sowie mit den Griechen und
Orientalen zu Florenz Einungen zustandegebracht hatte,
hegte er den letzten dringenden Wunsch, sein Lebenswerk
mit der Wiederherstellung der Einheit der deutschen Kirche
zu krönen. Aus seinen Abschiedsworten an die Kardinäle:
„Nobis maximum solamen est, antequam oculos claudere-
mus, reunitam ecclesiam cernere“2) fühlt man neben der
Freude und Erleichterung, die er über die vollzogene Obce-
dienzleistung der wichtigsten Reichsfürsten empfand, leb-
haft noch die vorangegangene innere Erregung und seelische
Spannung. Und wahrlich, nicht leicht ist das Schlußringen
gewesen.3) Auf der einen Seite standen die Gesandten der
deutschen Fürsten, fordernd, trotzig. Wohl war die Kurie
des Enea Silvio und seines königlichen Herrn Friedrichs III.
sicher, wie die vielfachen ihm erwiesenen Gunstbezeugungen
erkennen lassen. Aber die Zeiten, in denen der deutsche
König für die Territorialherren sein Votum abgab, waren
vorbei. Auf der anderen Seite verharrte das Kardinal-
kollegium, in dem die unentwegten Eiferer für reinsten
1) Vgl. zum Folgenden G. Voigt a. a. O. I, 8. 381 ff.
2) L. A. Muratori 1. c. III 2, p. 889.
8) Nach dem Bericht des Enea Silvio: L. A. Muratori 1. c. HI 2,
p. 882ss.

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