Volltext : Belidor, Bernard Forest: Herrn Belidors Vermischte Schriften über die Befestigungskunst und Artillerie, worinnen insonderheit eine ganz neue Theorie von den Minen und die Lehre vom Globe de Compression enthaltend sind

98  Von  der  Absteckung  einer  Festung,
Anmerkung.
Der  mit  Absteckung  der  Festungswerken  am  leichtesten
fertig  werden  will,  der  gewöhne  sich  an,  auf  dem
Felde  fast  eben  so,  als  wie  auf  dem  Papier,  zu  arbeiten,
so  braucht  er  weder  Winkelmesser  noch  Meßtischgen.
Mit  dem  Winkelmesser  lassen  sich  die  Minuten,  zumal
wenn  sie  aus  ungraden  Zahlen  bestehen,  nicht  gut  angeben, =
  und  ein  kleines  Versehen  bey  einem  Winkel,  macht
im  Felde  bey  grossen  Schenkeln  schon  grosse  Fehler.
Mit  dem  Meßtischgen  muß  der  Punct  auf  dem  Riß
und  der  correspondirende  Punct  auf  dem  Felde  jederzeit  senkrecht =
  auf  einander  passen,  und  einander  decken,  wie  langwierig ¬
  und  mühsam  aber  dieses  genau  ins  Werk  zu  richten
ist,  wissen  alle  diejenige,  die  mit  dergleichen  Werkzeugen
auf  dem  Felde  umgegangen  sind;  denn  das  prätorianische
Meßtischgen,  dessen  Diopternlinial  im  Mittelpunct  angebracht =
  ist,  und  das  bey  dem  Aufnehmen  der  Felder  sonst
so  unvergleichliche  Dienste  thut,  laͤst  sich  hier  nicht  gut  gebrauchen. ¬

Ueberdies  kann  durch  Zufall,  oder  Ungeschicklichkeit  der
Handlanger  leicht  ein  Instrument  übern  Haufen  gestossen
werden,  und  Schaden  leiden,  und  dann  muß  man  seine
Zuflucht  doch  zur  reinen  Geometrie  nehmen,  oder  die  Arbeit ¬
  liegen  lassen.
Eine  gute  Traurlinie,  und  einige  aller  Orten  leicht  zu
habende  Staͤbe  sind  also  alles,  was  zu  einer  solchen  Absteckung =
  nöthig  wäre,  und  wer  eine  Festung  recht  auf  dem
Papier  zu  entwerfen  weiß,  und  in  der  Feldarbeit  nicht  ganz
und  gar  unerfahren  ist,  der  wird  auch  niemal  in  Verlegenheit ¬
  gerathen,  sie  im  Felde  abzustecken.
Ma-
            
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