Von einzeln. Oblig. aus Delikten u. deliktsähnl. Gründen. 599
selbst betrifft, so ist hier zunächst soviel gewiß, daß der Tod des
precario dans das Prekarium nicht aufhebt, l. 8. §. 1. h. t.
Ulp. „Quod a Titio precario quis rogavit, id etiam ab
herede ejus precario habere videtur, et ita et Sabinus et
Celsus scribunt, eoque jure utimur. Ergo et a ceteris
successoribus habere quis precario videtur. Idem et Labeo
probat, et adjicit, etiamsi ignoret quis heredem, tamen
videri eum ab herede precario habere“.
1. 12. §. 1. h. t., eine Regel, die jedoch dann eine Ausnahme leidet,
wenn dem Prekarium ausdrücklich die Bedingung „quamdiu
volam“ zugefügt worden wäre, l. 4. locati (19, 2):
Pompon. „Locatio precariive rogatio ita facta, quoad is
qui eam locasset dedissetve, vellet , morte ejus, qui locavit,
tollitur"
Ganz anders aber verhält es sich, wenn der Empfänger des
Prekarium stirbt, denn dadurch erlöscht dasselbe stets, wenn es nicht
etwa ausdrücklich auch auf die Erben gestellt ist, l. 12. §. 1. h. t.:
Cels. „Precario rogatio et ad heredem ejus, qui concessit,
transit, ad heredem autem ejus, qui precario rogavit, non
transit, quippe ipsi duntaxat, non etiam heredi concessa
possessio est“
und es kann demnach nur von der Entstehung eines neuen Prekarium ¬
für die Erben die Rede sein. Dazu gehört aber natürlich,
daß die Erben von dem Dasein dieses Prekarium Kunde haben,
1. 11. de divers. temp. praescr. (44, 3):
— — quainvis precarium heredem i gnorantem
Papinian.non -
teneat, nec interdicto recte conveniatur — —
und außerdem gehört natürlich dazu, daß auch der Eigenthümer,
wenigstens stillschweigend, seinen Willen, die Sache precario bei
den Erben zu lassen, erklärt habe. Das Letztre ist aber begreiflich
nicht möglich, wenn derselbe von dem Tode des rogans noch gar
nichts erfahren hat, und in diesem Falle besitzen also die Erben
nicht precario, sondern vielmehr clam; und dieses ist wohl der
ursprüngliche Gedanke einer nur unvollständig und verderbt auf uns
gekommenen Stelle in Paul. rec. sent. V. 6. S. 12:
„Heres ejus, qui precariam possessionem tenebat, si in ea
manserit, magis dicendum est clam videri possidere, nullae
enim preces ejus videutur adhibitae; et ideo persecutio
ejus rei semper manebit, nec interdicto locus est“,
Nur dann, wenn diese beiden Voraussetzungen zusammentreffen, und
also ein neues Prekarium in der Person der Erben angenommen
werden kann, darf das interd. de precario aus ihrer eigenen
Person gegen sie angestellt werden, und in diesem Falle haften