Volltext : Drobisch, Moritz Wilhelm: Empirische Psychologie nach naturwissenschaftlicher Methode

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Thun.  Jenes  besteht  theils  in  den  mancherlei  Schmerzgefühlen, -
  die  entweder  in  einzelnen  Theilen  des  Körpers  ihren  Sitz
zu  haben  scheinen,  wie  Hunger  und  Durst,  Kopf-,  Brust-,  Zahnschmerz -
  u.  dgl.,  oder  die,  wie  Beklemmung  und  Ermattung,
eines  besondern  Sitzes  entbehren;  theils  in  der  sinnlichen  Lust,
die  ebenfalls  entweder,  wie  Kitzel  und  Wollust,  nur  partieller
Natur  ist,  oder,  wie  das  Gefühl  der  Gesundheit,  Aufgelegtheit,
Munterkeit  etc.,  ein  allgemeines.  Das  Gefühl  des  körperlichen
Thuns  aber  äussert  sich,  als  Empfindung  unsrer  Muskelkraft,
sowohl  bei  den  mancherlei  Bewegungen,  die  wir  unsern  Gliedern -
  geben,  als  bei  den  Anstrengungen,  die  wir  machen,  um
eine  Bewegung  derselben  zu  verhindern,  wenn  wir  einen  Widerstand -
  leisten.  Auch  zu  diesen  Empfindungen  gesellt  sich
bald  Lust,  bald  Unlust:  jene  z.  B.  bei  dem  Gefühl  einer  mehr
als  hinlänglichen  Kraft,  diese  etwa  bei  übermässiger  Anspannung, -
  der  die  Muskelkraft  zu  unterliegen  droht.  Durch  diese
doppelte  Empfindungsweise  des  innern  Gefühlssinns,  dessen  Organ -
  das  gesammte  Nervensystem,  und  zwar  noch  insbesondere
für  die  leidentlichen  Zustände  das  Gangliensystem,  für  die  thätigen -
  aber  das  Vertebralsystem  ist,  erhalten  wir  eine  Gesammtempfindung -
  von  unserm  Körper,  seinem  Daseyn  und,  je  nachdem -
  Lust  oder  Unlust  die  Empfindungen  begleitet,  von  den  seiner -
  Erhaltung  im  Ganzen  oder  in  einzelnen  Theilen  desselben
förderlichen  oder  hinderlichen  Zuständen;  d.  i.,  da  im  Leiden,
Geniessen  und  Thun  die  Summe  des  leiblichen  Lebens  enthalten -
  ist,  wir  erhalten  durch  den  inuern  Gefühlssinn  die  Empfindung -
  unsers  leiblichen  Lebens.  Darum  heisst  er  auch  Vitalsinn, -
  Lebenssinn.
7.
Wenn  der  Vitalsinn  das  Barometer  unsrer  Lebensthätigkeit -
  ist,  so  scheint  ihm  der  äussere  Gefühlssinn  als  Wächter -
  beigegeben  zu  seyn,  durch  den  er  jederzeit  die  äussern  Bedingungen -
  erfahre,  die  dem  leiblichen  Leben  günstig  oder  ungünstig -
  sind.  Der  äussere  Gefühlssinn  ist  nämlich  auf  die  Si¬Max-Planck-Institut -
  für  Bildungsfor:
            
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