Full text: Psychologie. ¬Die Lehre von dem Erkenntnißvermögen (Th. 1)

Max-Planck-Institut für Bildungsforschung 
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1. Theil. Die Lehre vom Geiste. Denkvermögen. 
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deten Begriffe ist erforderlich: a) eine bestimmte und richtige Anschaung; b) ge¬ 
hörige Reflexion auf das in der Anschauung gegebene Mannigfaltige; c) rich¬ 
tige Abstraction von demjenigen, was die Anschauung mit der Anschauung an¬ 
derer verwandter Gegenstände gemein hat; d) richtige Synthesis der Eigen¬ 
thümlichkeiten des Gegenstandes zur Einheit des Bewußtseins. 
Der Begriff läßt eine doppelte Betrachtungsweise, eine objective und 
eine subjective zu: dort kommt der Gegenstand, der durch den Begriff 
vorgestellt wird, hier kommt die Art und Weise, in welcher der Gegenstand 
durch den Begriff vorgestellt wird, in Betracht. Anlangend 1) den Begriff 
in objectiver Rücksicht, so unterscheiden wir seinen Inhalt und seinen 
Umfang, d. i. die Merkmale, aus denen er besteht, und die Objecte, auf wel¬ 
che er Beziehung hat. Der Inhalt und Umfang eines Begriffes können nur ge¬ 
dacht werden als identisch, d. h. der Inhalt eines Begriffes nach Außen 
gesetzt gibt den Umfang, und der Umfang eines Begriffes nach Innen gesetzt 
gibt den Inhalt des Begriffes. Die Veränderung des Inhaltes eines Begriffes 
bewirkt also auch nothwendig eine Veränderung seines Umfanges und umgekehrt. 
Nach ihrem Inhalte betrachtet sind die Begriffe entweder einfache oder zu¬ 
sammengesetzte, je nachdem sich in ihnen eine Vielheit von Bestimmungen 
unterscheiden oder nicht unterscheiden läßt: nach ihrem Umfange betrachtet sind 
die Begriffe entweder Individualbegriffe oder Allgemeinbegriffe, je 
nachdem sie entweder auf einen einzigen Gegenstand, oder auf eine Mehrheit 
von Gegenständen Beziehung haben. Die Allgemeinbegriffe kommen durch Ab 
straction vom besondern, die Individualbegriffe durch Determination des 
Allgemeinen zu Stande: doch besteht das Vergleichen beider keinesweges in einem 
willkürlichen Weglassen oder Zusetzen von Merkmalen, indem hier nichts Burg 
chaft dafür bieten würde, ob am Ende der Begriff des Dinges noch übrig 
bliebe; sondern die Abstraction darf nur einzelne Merkmale in der Art fallen 
lassen, daß diese nicht vernichtet werden, sondern daß sie nur in eine hohere 
Sphäre ihrer selbst übertreten, so wie umgekehrt die Determination zu den ho¬ 
hern Begriffe nur solche Bestimmungen hinzufügen kann, für welche die Ansatze 
bereits im höheren Begriffe enthalten sind. Wir können aber auch zwei oder 
mehrere Begriffe mit einander vergleichen und zwar entweder nach ihrem 
Inhalte oder nach ihrem Umfange. Vergleichen wir zwei oder mehrere Begriffe 
nach ihrem Inhalte, so sind sie entweder einerlei oder verschiedene, 
entweder ähnliche oder unähnliche, entweder einstimmige oder entge¬ 
gengesetzte: vergleichen wir zwei oder mehrere Begriffe nach ihrem Umfange, 
so sind sie entweder nebengeordnete oder untergeordnete, im zweiten 
Falle entweder höhere oder niedere, bis zu einem höchsten und niebrig 
sten hin und zwar in beständiger und ununterbrochener Stufenfolge. Der ho¬
	        
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