Full text: Psychologie. ¬Die Lehre von dem Erkenntnißvermögen (Th. 1)

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Bewußtsein. Bewußtsein des Gegenstandes. § 33. 
selbst der schon herangereifte Mensch sich sehr irren kann, So entsteht die Vor¬ 
stellung unsers Körpers als eines realen und substanzialen Dinges der 
Außenwelt, welches mit unserm Ich verbunden ist, über dessen 
Aeußerungsweisen das Ich ganz oder doch theilweise wilkkürlich 
gebieten kann und welches Wirkungen hervorzubringen vermag, 
die das Ich auf sich beziehen und zwar für Zustände oder Affec¬ 
tionen seiner selbst halten muß. Der äußern Dinge selbst werden 
wir uns nicht bewußt, sondern nur unserer aufgenöthigten Vorstellungen 
derselben, ihres Seins und ihrer Erscheinung: von der Beschaffenheit der Vor¬ 
stellung wird zuerst auf die Wirklichkeit der sinnenfälligen Erscheinung und dem¬ 
nächst auf eine dieser unterliegenden Realität nach dem Satze vom zureichenden 
Grunde geschlossen, daraus nämlich, daß der Denkgeist die Vorstellung des äußern 
Objectes nicht als gänzliches Eigenthum sich allein zu vindiciren vermag und er 
dieselbe somit an eine zweifache Causalität als an die Coefficienten eines Productes 
vertheilen muß. Das Bewußtsein der Außenwelt als einer selbstständigen Realität 
ist aber nur möglich in einem Wesen, welches sich selbst als ein reales und 
ubstanziales Princip zu erfassen vermag und eben darum, weil es sich selbst 
nicht als Princip der äußern Erscheinungen zu erfassen vermag, diesen ein an¬ 
deres, von seinem eigenen verschiedenes Realprincip unterlegt. Darum lebt das 
Thier, weil es bloß Naturwesen ist und sich folglich zum Ichbewußtsein niemals 
zu erheben vermag, nur in der Erscheinung und nicht in dem Sein, so wie es 
ich selbst auch immer nur Erscheinung bleibt, d. h. es selbst und die Welt blei¬ 
ben ihm ewig fremd. Das innere Bewußtsein ist von dem früher besprochenen 
Selbstbewußtsein nicht verschieden; es besteht zunächst aus dem Bewußtsein un¬ 
serer sogenannten innern Zustände und weiterhin aus der Vorstellung unsers Ich, 
als des Realprincips der innern Zustände selbst. Das bloße Bewußtsein der in¬ 
nern Zustände reicht also zum Selbstbewußtsein noch nicht hin, sondern es ist 
dieses nur der Ausgangspunkt und die niedrigste Stufe des Selbstbewußtseins; 
das Selbstbewußtsein im eigentlichen Sinne ist erst dann vorhanden, wenn sich 
an die Vorstellung des innern Zustandes auch die Vorstellung des Ich als des 
Substrates und der Ursache des innern Zustandes selbst anlegt. An das äußere 
Bewußtsein legt sich oft ein inneres an, z. B. an unser Sehen oder Hören un¬ 
ser Wissen, um dieses Sehen oder Hören, woraus man geschlossen hat: daß wir 
einen änßern Gegenstand nur dann wahrnehmen könnten, wenn wir auch durch 
innere Wahrnehmung von der äußern Wahrnehmung wüßten, z. B. daß wir nur 
dann sähen oder hörten, wenn wir zugleich wüßten, daß wir sehen oder hören. 
Bei genauerer Selbstbeobachtung findet sich aber, daß wir auch uns eines äußern 
Gegenstandes bewußt werden können und sehr oft bewußt werden, ohne daß 
dieses äußere Bewußtsein wieder ein Gegenstand eines neuen, d. i. des innern 
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
	        
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