Full text: Oswald, Hans: Soziale Beziehungen und Interaktionen unter Grundschulkindern

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liche Protokoll mit den Interaktionssequenzen zwischen den 
Kindern. 
Die beobachteten Interaktionssequenzen werden so vollständig 
wie möglich aus dem Gedächtnis und unter Zuhilfenahme der Noti- 
zen und des Tonbandes beschrieben. Damit beide Protokollanten 
das Tonband benützen können, wird es unmittelbar nach dem 
Schulbesuch kopiert. Der Beobachter bemüht sich, den Sinn der 
Sequenzen aus der Sicht der interagierenden Kinder zu verste¬ 
hen. Das Aufschreiben dieses Verstandenen ist zwar so nah wie 
möglich an den faktischen Abläufen ausgerichtet. Jedoch ist die 
Verwendung von qualifizierenden Verben, Adverbien und Akjekti- 
ven, die sich auch auf die emotionalen Zustände beziehen, unum- 
gänglich. Nur die physischen Abläufe zu beschreiben, genügt 
keineswegs. Der Beobachter hat die Fähigkeit zu sinnentnehmen- 
der Wahrnehmung, und gestützt auf diese Fähigkeit muß er den 
wahrgenommenen Sinn so präzise und ausführlich wie möglich wie- 
dergeben. Ist sich der Beobachter über den Sinn des Beobachte¬ 
ten unsicher, dann schreibt er Vermutungen oder alternative In¬ 
terpretationen auf, macht sie aber als solche deutlich kennt- 
lich. Vermutungen und weiterführende Gedanken, Fragen, auch 
theoretische Überlegungen werden beispielsweise in eckige Klam- 
mern gesetzt. Wenn sie als solche erkenntlich sind, sind derar- 
tige Interpretationen sogar erwünscht. Sie explizieren nicht 
nur ein mögliches Verständnis, sondern können als Hypothesen 
den weiteren Blick auf vermutete Muster oder Zusammenhänge len¬ 
ken und dafür sorgen, daß in weiteren Beobachtungen oder in 
anderen Protokollen gezielt nach bestätigenden oder widerlegen- 
den Vorkommnissen gesucht wird. 
Es läßt sich nicht vermeiden, daß man von manchen Interak- 
tionssequenzen trotz des Tonbandes den Anfang oder das Ende 
nicht hat. Diese Sequenzen werden dennoch aufgeschrieben, weil 
gelegentlich die vollständige Geschichte über das Protokoll des 
anderen Beobachters erschließbar ist. Auch wenn dies nicht mög-
	        
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