Full text: Oswald, Hans: Soziale Beziehungen und Interaktionen unter Grundschulkindern

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sein wird, genügt das Notieren der Satzanfänge mit Hinweis auf 
die Sprecher. Schreiben und Zuschauen wechseln so ab, daß man 
möglichst vollständige Ereignisabläufe mitbekommt. Falls man 
eine interessante Sequenz nicht ganz verstanden hat, kann man 
fehlende Informationen bei den beteiligten Kindern zu einem 
geeigneten (nicht störenden) Zeitpunkt erfragen. Die Kinder 
werden von den Beobachtern nicht generell über ihre Sichtweisen 
oder Empfindungen befragt. Einige Ansätze dazu erwiesen sich 
als störend, weil sie die Kinder aus dem Gang der Handlungen 
herausnehmen, aber auch als unergiebig, weil die Fragen den 
Kindern Überlegungen aufdrängen, die sie üblicherweise gar 
nicht anstellen. 
Das Ziel besteht darin, die beobachteten "Geschichten" so genau 
wie möglich zu verstehen und so in den Feldnotizen festzuhal- 
ten, daß man nach der Feldbeobachtung eine genaue und vollstän¬ 
dige Beschreibung im Protokoll erstellen kann. 
Die Kinder dürfen ständig Einsicht in die Notizen nehmen und 
bekommen sie auch vorgelesen, wenn die Erwachsenenschrift unle¬ 
serlich ist. Insgesamt äußern sie diesen Wunsch selten. Manch- 
mal bieten sie an, einen Vorgang zu beschreiben oder diktieren 
einen Kommentar, der vom Beobachter als solcher gekennzeichnet 
zusätzlich aufgenommen wird. Meistens sind die Kinder erstaunt, 
"Susa läßt Brida 
welche Belanglosigkeiten notiert werden (z.B. 
in ihren Apfel beißen") und verlieren demgemäß schnell ihr 
Interesse. Wird ein Kind zu störend, was sehr selten vorkommt, 
kann man ihm durch einen konzentrierten Gesichtsausdruck beim 
Schreiben klarmachen, daß man sehr beschäftigt ist. Gelegentli- 
chen Bitten um Hilfe bei Aufgaben kommen die Beobachter meist 
nach. Schließlich helfen die Kinder ja auch dem Beobachter. 
Die Haltung der Beobachter wechselt also zwischen "freundlicher 
Neutralität" und intensiverer Zuwendung. Neutral ist der Beob- 
achter, wenn er einen Sinnzusammenhang erfaßt und notiert. Neu¬ 
tralität des Gesichtsausdrucks ist vor allem auch dann ange¬
	        
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