Volltext : ¬Das Erziehungs- und Unterrichtswesen als Angelegenheit des Staates und Gegenstand der Gesetzgebung, mit besonderer Hinsicht auf Württemberg

-Planck-108


Bemerk.  Nur  eine  verhältnißmäßig  kleine  Zahl  von
den  aus  diesen  Instituten  hervorgegangenen  Theologen  befaßt -
  sich  später  mit  theologischen,  philosophischen  oderkandern
Studien,  viele  legen  alles  wissenschaftliche  Streben,  ja  sogar -
  die  für  ihre  Fortbildung  nöthige  Lektüre  bei  Seite;
manche  finden  ihren  Wirkungskreis  nicht  in  der  Gemeinde,
oft  nur  außerhalb  ihres  Bezirkes.  Viele,  sehr  viele  sind
allerdings  sehr  beschäftigt,  aber  sie  sind  es  mit  den  Geschäften, -
  welche  das  ihnen  übertragene  Amt  eines  Dekans,
eines  Schulinspektors,  eines  Kammerers  mit  sich  bringt.
Letzteres  besteht  größtentheils  in  Schreibérei=,  Rechnungsund -
  Rechtsgeschäften,  Verpachtungen,  Käufen  und  Vorkäufen, -
  die  von  dem  Stiftungspfleger  oder  einem  andern  Mit
gliede  der  Gemeinde  ebenso  gut  und  noch  besser,  wenigstens
unbeschadet  seiner  Würde  besorgt  werden  könnten.  Wenn
bei  solcher  Geschäftsthätigkeit  —
nach  dem  Geständnisse
pflichtgetreuer  Geistlichen  —
ihre  eigentliche  Berufsthätigkeit -
  leidet,  so  liegt  allerdings  die  Schuld  in  den  der
maligen  Einrichtungen,  und  die  bestens  Erzogenen  und  Gebildeten -
  werden  dabei  von  der  Seelsorge  und  der  Gottesgelahrtheit -
  eben  so  abgezogen,  als  diejenigen,  die  es  nicht
sind.
Wir  können  nicht  glauben,  daß  eine  4=  und  5  jährige
eingeschränkte  Erziehung  die  Menschen  mäßiger,  wohlthätiger
edelmüthiger,  wahrheitsliebender  mache  (wohin  zu  rechnen,
sittliche  Wahrheiten  zu  hören,  auszusprechen,  zu  vertheidigen)
als  eine  zweijährige;  wir  konnten  uns  noch  nicht  überzeugen,
daß  diese  Wirkung  überhaupt  bei  den  Zöglingen,  die  einer
8—9  jährigen  Institutserziehung  genossen,  in  einem  höhern
Grade  sichtbar  wäre,  als  bei  denjenigen,  die  dieser  Erziehung -
  entbehrten.
Was  die  ästhetische  Bildung  betrifft,  so  kann  sie  wie,  die
intellektuelle  und  die  sittliche,  mit  den  Gymnasien  nicht  geschlossen
sein.  Dennoch  wird  sie  keineswegs  von  den  Studirenden  so  allgemein -
  gesucht  und  verbreitet,  als  man  in  unserem  Zeitalter  erwarten -
  sollte.
Schließlich  geben  wir  noch  die  Worte  Dahlmanns:  „die
Kluft  zwischen  Wissen  und  Können,  Kraft  des  Verstandes  und
Kraft  des  Charakters,  sagt  er,  ist  ungeheuer  groß  geworden,  die
am  meisten  von  Tapferkeit  lesen  und  lehren,  sind  sie  tapfer?
bringen  sie  wirklich  dem  Vaterlande  Opfer?  Ist  nicht  die  Mehrzahl -
  der  Wissenden  mit  ihrem  Wissen  mehr  äußerlich  behängt,  als
            
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