Full text: Wetzel, Franz Xaver: ¬Die Frau

Freilich meint manche Frau: Die und die haben 
es doch schön, die brauchen nicht zu arbeiten; die können 
den ganzen Tag am Fenster sitzen oder Visiten machen. 
Jawohl, es giebt solche Frauen. Doch nein, es sind 
nicht Frauen, sondern Zierpuppen, die nur auf der 
Welt zu sein scheinen, um zu sehen und gesehen zu 
werden. Aber dafür sieht's auch in ihrem Hause, in 
Hof und Stall darnach aus: alles ist in Unordnung, von 
Behaglichkeit ist keine Rede; die Kinder laufen in zerrissenen 
und schmutzigen Kleidern umher; das Essen ist meist 
ungenießbar; der Mann wird unzufrieden, er geht ins 
Wirtshaus, wo man ums Geld alles haben kann und 
noch dazu ein freundliches Wort bekommt; — der 
Familienzwist und das Familienelend sind 
da. Und wer trägt die Schuld daran? Die unhäus¬ 
liche, träge Hausfrau. 
Im Tessin halten es die Frauen nicht unter ihrer 
Würde, im Herbste sogar Mist auf die Anhöhen zu 
tragen. Der kostbare und vielbegehrte Mist wird in 
Körben, die man auf den Rücken nimmt, in die Reb¬ 
berge gebracht. „Uns," so schreibt im Jahre 1892 ein 
Reisender aus dem Tessin, „uns haben diese echten, 
treuherzigen Frauen, trotz ihrer etwas anrüchigen Arbeit, 
Digitalisierungsvorlage 
Bibliott 
nene
	        
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