Full text: Hug, Gallus J.: ¬Die christliche Familie im Kampfe gegen feindliche Mächte

gypten flieht, so ist die Zeit wie gemacht, das Opfer
der christlichen Mutter zu betrachten, und euer Herz für
die hochwichtigen Wahrheiten ganz besonders empfänglich.

Das Opfer der christlichen Mutter ist ein zweifaches,
nämlich das Opfer des Gehorsams gegen den Mann und
das Opfer der Schmerzen und Entbehrung für die Kinder.

Der hl. Evangelist Matth. (c. II. 43) erzählt fol-
gendes: ‘„Da erschien der Engel dem Herrn dem Joseph
im Schlaf und sprach: Steh' auf und nimm das Kind
und seine Mutter und fliehe nach Aegypten und bleibe all
da, bis ich dir's sage. Denn Herodes wird das Kind
suchen, um es zu tödten.“’
Da stand er auf, nahm das Kind
und seine Mutter in der Nacht und zog fort nach Aegypten.
So erzählt das Evangelium. Wem erscheint der Engel?
Dem hl. Joseph. Warum nicht der Mutter Gottes?
Uebertraf sie ihren Bräutigam nicht hundertfach an Würde
und Heiligkeit? Aber dennoch war nicht sie das Haupt
der hl. Familie, sondern der hl. Joseph .

Oder hätte der Engel den Befehl Gottes nicht beiden mit-
theilen können? Das wollte Gott nicht; denn es war
ein großes Beispiel nothwendig, wie die Mutter ihrem
Manne gehorsam sein soll.

Denn betrachtet nur den Auftrag des Engels. ‘„Nimm
das Kind und seine Mutter und fliehe nach Aegypten.“’

Was that er? Er stand auf, weckte die jungfräuliche
Mutter und sprach: ‘„Soeben erschien mir der Engel des
Herrn und gebot mir, mit dir und dem Kinde nach Aegypten
zu fliehen. Steh auf, nimm das Allernothwendigste und folge
mir gleich; denn in dieser Nacht noch haben wir die Reise
anzutreten.“’
Fühlte sich Maria etwa verletzt, daß der
Engel nicht ihr erschienen? Oder machte sie etwa wohl-
begründete Einwendungen: ‘„Du hast dich im Schlafe wohl
getäuscht; du siehst einen Traum für eine Engelserschei-
nung an. Oder das Ding hat nicht so Eile; gönne
mir und dem Kinde die Nachtruhe; dann kann ich für die
weite Reise das Nothwendigste noch bereiten.“’
Sprach sie
etwa so? Bei weitem nicht. Auch sie stand gleich auf,
nicht bloß ohne Widerrede, sondern in freudigem Gehorsam
und floh in dunkler Nacht an der Seite ihres Mannes.
Sollte dies Beispiel nicht genügen? Allerdings; weil aber
Gott weiß, wie schwer oft das Opfer des Gehorsams,
wollte er das Vorbild so vollkommen als möglich machen,
daß keine Widerrede möglich ist. Als nämlich die Zeit
der Heimkehr aus Aegypten gekommen war, erschien der
Engel wieder dem hl. Joseph und nicht der Mutter Gottes:
und Joseph gab den Befehl zur Heimkehr und Maria
war ihm wieder gehorsam.

Warum also, christliche Mütter, sollt ihr eueren
Männern unterthan sein? – Nicht weil sie stärker, nicht
weil sie von Natur aus zum Befehlen wie gemacht sind,
nicht weil ihr der schwächere Theil, der sich dem stärkern
Theile anschmiegt, ja nicht einmal den Frieden zu er-
halten und die Liebe der Männer euch zu bewahren,
sondern wollet ihr wahrhaft christliche Mütter und große
Frauen sein, bringet das Opfer des Gehorsams im Hin-
blick auf das Vorbild der allezeit reinen Gottesmutter
Maria. Das aber ist keine Erniedrigung für euch, sondern
Adel und Hoheit. Sehet nur! Wem war Maria auf's
Wort gehorsam? Dem hl. Joseph, der an Würde, Weis-
heit und Heiligkeit so tief unter ihr stand. Aber wem
war sie eigentlich gehorsam? Gott selbst. Denn Gott leitete
durch den hl. Joseph seine Familie. Und heute noch will
er durch die Väter die Familien regieren. Wenn ihr
daher dem Manne nach dem Vorbilde Mariens gehorsam
seid, so unterwerfet ihr euch Gott selbst. Damit aber die
Frauen so gehorsam sein können und dürfen, so vergesset
liebe Männer doch niemals, daß der hl. Joseph euer Vor-
bild und daß ihr deßhalb von euern Gattinnen nur das
verlangen dürfet, was recht ist vor Gott.

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