Full text: Hug, Gallus J.: ¬Die christliche Familie im Kampfe gegen feindliche Mächte

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Denn vergesset nie, die Ruthe ist nicht das einzige Straf¬ 
mittel. 
Wenn ihr aber strafen müsset, so strafet doch nie 
im Zorn, unter Fluchen und Schmähreden. Ich begreife 
wohl, das Eltern oft im hl. Zorn aufflammen wie der 
Heiland, als er mit Stricken die Käufer und Verkäufer 
aus dem Tempel trieb oder in längerer Rede den Schrift¬ 
gelehrten und Phärisäern achtzehn Mal zurief" „Wehe 
euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer!" Das ist ein 
hl. Zorn, von dem die hl. Schrift sagt: „Zürnet, aber 
sündiget nicht." Je größer daher die verschiedenen Sünden 
kleiner oder auch erwachsener Kinder, desto mehr dürfet 
ihr im hl. Zorn aufflammen und die Ruthe mit kräftiger 
Hand führen — aber nie mit Fluchen und Verwünschen 
begleiten. Denn in diesem Falle ist die Züchtigung nicht 
bloß vergeblich, sondern schädlich. 
In einem Städtchen der Diöcese Lüttich weinte und 
heulte einst ein Knabe, der sich von Hause verirrt hatte 
Gute Leute wollten ihn heimführen und fragten ihn des¬ 
halb: Wie heißt dei Vater? Satan. Deine Mutter? 
Satan. Dein Haus? Satanshaus. Gehörte dieser Knabe 
etwa einer Familie, in welcher, wie heute im tiefsten Dunkel 
geheimer Gesellschaften, Satan verehrt wurde? Nein, nein! 
Aber Vater und Mutter waren äußerst zornmüthig. Kam 
der Mann Abends benebelt heim, fuhr ihn die Frau an: 
„Du bist ein wahrer Satun." Bestrafte sie in ihrem Zorn 
den Knaben, tobte sie: „Dein Vater ist Satan, du bist ein 
Satanskind." Wenn der Zorn seinen Höhepunkt erreicht 
hatte, tönte es von allen Seiten: „Ein ächtes Sataus- 
haus." Diese Stammtasel und Ortsbeschreibung hatte der 
Knabe unter den Schlägen von Vater und Mutter gelernt. 
Nicht wahr, so grauenvoll sieht es wohl selten in einer 
Familie aus, aber welche Worte, welche Flüche, welche 
Verwünschungen haben Kinder oft wegen kleinster Fehler 
ader Versehen von ihren Eltern zu hören? 
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Max-Planck-Institut für Bildungsforschung 
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