Full text: Hammer, Philipp: ¬Der christliche Vater in seinem Berufe

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Idee der Familie und des Hauses, und ist für die 
Männer gewiß nicht mehr weit zu der in Täbris in 
Persien herrschenden Sitte der „temporären Ehen". 
Die dort weilenden Griechen aus Konstantinopel pflegen 
nämlich mit den Töchtern der nestorianischen Christen 
in Täbris Ehen für die Dauer ihres dortigen Auf¬ 
enthaltes abzuschließen. Der Vertrag wird mit allen 
Förmlichkeiten für eine bestimmte Reihe von Jahren 
oder Monaten vollzogen, und dafür die ausbedungene 
Summe entrichtet. Oft hat aber der neue Ehemann 
bereits eine Frau in Konstantinopel und erfreut sich 
dann also der Bequemlichkeit des Postillons von Lon¬ 
jumeau, auf jeder Station eine Ehehälfte zu finden. 
Darauf läuft aber in der That die ganze Lüderlichkeit, 
wie sie in den modernen Ehe- und Ehescheidungsge¬ 
setzen zu Tage tritt, hinaus. Die Früchte ernten wir 
jetzt schon; denn die Ausbreitung einer falschen Lehre 
in diesem Stücke, meint Riehl, habe eine fatale Aehn¬ 
lichkeit mit dem Weltgange der Seuchen. Darum sagt 
er mit Recht: „Wenn gegenwärtig Tausende von 
Männern aus dem richtigen Geleise kommen, weil sie, 
in zärtlichster Besorgnis um sich selbst, den „rechten 
Beruf" verfehlt zu haben wähnen: dann werden hin¬ 
wieder Tausende von Frauen irre an der natürlichen 
Stellung des Weibes, weil sie, bei gleicher Selbstver¬ 
hätschelung in den „falschen Ehebund" getreten zu sein 
glauben. Für den Ernst der Ehe sind wir überaus 
sentimental gegenüber unserm werten Ich, überaus zärt¬ 
lich gegen uns selbst geworden. Denn das gerade ist 
das eigentliche Salz der Ehe, daß, wenn man einmal 
Ja gesagt hat, man nicht mehr Nein sagen kann. Die Ehe 
erhält erst ihre Weihe, die Weihe der vollständigen 
Hingabe von Mann und Frau, durch ihre Unlösbar¬ 
keit: in diesem Sinne ist sie eine göttliche Einsetzung, 
in diesem Sinne wird sie von der Kirche eingesegnet. 
ligitalisierungsvorlage: 
lax planck institute for Hluman Developme
	        
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