Full text: Cramer, Wilhelm: ¬Der christliche Vater wie er sein und was er thun soll

nicht allein schon eine Hölle, wenn ein solcher Va-
ter, was nur zu sehr zu fürchten steht, dort am
‘„Orte der Qualen“’ seine Kinder um sich hat, um
aus ihrem Munde jene schrecklichen Vorwürfe, Ver-
fluchungen und Verwünschungen zu vernehmen?!

O Vater, bedenke das und lasse es dein höchstes
Streben sein, ein guter Vater au deinen Kindern
zu sein. Wer fände Worte, den Lohn eines guten
Vaters in der Ewigkeit auch nur annähernd darzu-
stellen? Immer will es uns scheinen, daß der Herr
jenes Wort, womit Er Seine treuen Diener einst
auf Seinem Richterthrone empfangen wird: ‘„Wohl
dir, guter und getreuer Knecht“’
mit ganz besonderer
Liebe und Huld zu Vätern (und Müttern) sagen wird,
welche ihre Kinder gut erzogen, welche also denen,
die Er so sehr, die Er unendlich liebt, den Kindern,
so großes, das größte Heil vermittelt haben; welche
beitragen zur Erfüllung des höchsten Verlangens
Seines h. Herzens, daß doch die Seelen, wofür Er
Sein kostbares Blut vergossen und Sein Leben hin-
gegeben hat, zur ewigen Seligkeit gelangen möchten.

O ja! Und unaussprechlich groß wird der Lohn
sein, den Er ihnen zurichtet, Er, der nicht einen Trunk
Wassers unbelohnt lassen will. – Würde nicht das
allein schon ein Himmel für solche Väter sein, ihre
Kinder dort im Himmel um sich zu haben, sie unend-
lich glücklich zu sehen und dabei das Bewußtsein
haben zu dürfen, zu diesem ihrem Glücke so viel bei-
getragen, ja es mit Gottes Gnade recht eigentlich
begründet zu haben! Wahrhaftig, da ist das schöne
Wort im Vollsinne wahr, was der h. Augustinus
von allen Auserwählten sagt: ‘„Jeder freuet sich
über das Glück des Andern, wie über das eigene;
so viel Genossen, so viel Himmel ,“’
‘„der
Vater freuet sich über das Glück seiner Kinder, wie
über das eigene; so viel Kinder, so viel Him-
mel .“’
Und wahrhaft glücklicher Vater, wenn dann
die Kinder vor dem ganzen Himmel Zeugniß geben,
daß sie ihr Himmelsglück nächst Gott dem Vater
(der Mutter) zu verdanken haben!

So vereinigt sich denn Alles, um den Vätern
ihre Pflichten gegen ihre Kinder heilig erscheinen zu
lassen und sie zur treuesten Erfüllung derselben auf's
Nachdrücklichste anzuregen.

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