Full text: Matthias <von Bremscheid>: ¬Die christliche Familie

kannt, ist bei Vielen, bei sehr Vielen die richtige
Schätzung der Ehe ganz verloren gegangen. Das
muß überaus traurige Folgen für fast alle Verhält¬
nisse der menschlichen Gesellschaft mit sich bringen;
in dieser Mißachtung und Entwürdigung der Ehe
hat man wohl auch eine der Hauptursachen für die
Uebel zu suchen, an denen unsere Zeit krank ist.
Darum lohnt es sich der Mühe, eine kurze Er-
wägung über die christliche Ehe anzustellen. Um
einen richtigen Begriff von derselben zu gewinnen,
müssen wir 1. ihre Heiligkeit, 2. ihre Unauf-
löslichkeit, 3. ihre hohe Bedeutung, 4. ihre
Beschwerden etwas näher betrachten.

I.

Die Ehe ist zunächst ein heiliger Stand. Sie ist heilig; denn

1. Gott selbst, der unendlich Heilige, hat sie
eingesetzt. Durch das Wort seiner Allmacht hatte
er unsern Stammvater Adam erschaffen; er hatte
ihn geschmückt mit den herrlichsten Gaben und Fähig-
keiten, mit großen Gnaden und erhabenen Tugen¬
den ; er hatte ihn in das Paradies, den Garten der
Wonne, versetzt und ihm die Herrschaft über die
Erde übertragen. Dann aber, sprach Gott: ‘„Es
ist nicht gut, daß der Mensch allein sei;
lasset uns ihm eine Gehilfin machen,
die ihm ähnlich sei"’
(I Mos. 2, 18). Gott
geht hier gleichsam mit sich selbst zu Rathe,
er spricht mit sich selbst. Das bedeutet den
ewigen Gedanken, den ewigen Rathschluß der
drei göttlichen Personen. Im Herzen des unend¬
lich heiligen Gottes ruhte also von Ewigkeit her die
Ehe, um mich, so auszudrücken, wie in einem heili¬
gen Schreine, ehe sie auf die Erde kam. In sei¬
nem heiligen Rathschlusse trägt er die Ehe ebenso,
wie die Dornenkrone und das Kreuz Jesu Christi.
Gott schuf dann in sinniger und bedeutungsvoller
Weise unsere Stammmutter Eva; er selbst führte
sie dem Adam als Gattin und Lebensgefährtin zu;
er selbst schloß diesen ersten Ehebund, segnete ihn
mit den feierlichen Worten: ‘„Wachset und meh¬
ret euch und erfüllet die Erde und herr¬
schet über die Fische des Meeres, über
die Vögel des Himmels und alle Thiere,
die sich auf der Erde regen."’
— Wir sehen
hier bei der Einsetzung des Ehestandes eine erha¬
bene, majestätische Scene, hören eine großartige
Sprache, die Gott nicht führte, als er die andern
lebenden Wesen segnete. Aus dieser Handlung
Gottes, aus diesem ergreifenden Segen, den er
über das erste Ehepaar ausgesprochen, haben die
Menschen von jeher geschlossen, daß die Ehe etwas
Heiliges sei und daß Gott selbst bei deren Schließung

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