Full text: Matthias <von Bremscheid>: ¬Die christliche Familie

wenn es gut geht, zuweilen eine Predigt anhört, wenn man dagegen die Religion und Frömmigkeit aus dem übrigen Leben verbannt und sie insbeson¬dere in der Familie nicht mehr hegt und pflegt. Um zu leben, ist es nicht genug, bloß einmal in der Woche Athem zu holen; wir thun es jeden Tag, und zwar sehr oft. Um frische Kraft zur Arbeit zu haben, ist es nicht genug, bloß am Sonn¬tag Nahrung zu sich zu nehmen; wir essen jeden Tag und zwar mehrmals. Um einen Kranken zu heilen, begnügt sich ein Arzt nicht damit, ihm bloß einmal in der Woche eine kleine Dosis Medizin zu geben; er läßt ihm gewöhnlich an jedem Tage wie¬derholt eine solche reichen und gewöhnlich um so öfter, je größer die Gefahr, je ernster die Krankheit ist. Aehnlich ist es auch mit dem Menschen in reli¬giöser und sittlicher Beziehung. Die Kirche kann unmöglich dem ganzen Leben des Menschen eine höhere edle Richtung geben, wenn derselbe bloß am Sonntage für einige Augenblicke sich unter den Ein¬fluß ihrer Wirksamkeit stellt. Allerdings ist damit schon Etwas gewonnen, aber die Religion wird nie in herrlicher Vlüthe stehen, nie den ganzen Menschen erfassen, nie alle Verhältnisse der Gesellschaft mit ihrem Segen durchdringen, wenn man die übrige ganze Woche nur der Erde, nur den zeitlichen Sor¬gen, nur dem Staube widmet und keinen Gedanken

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