Full text: Matthias <von Bremscheid>: ¬Die christliche Familie

viele Fehler gegen die Liebe und Ehrfurcht, welche die Kinder ihren Eltern schulden, vorkommen, daß es verhältnißmäßig so wenig Kinder gibt, die sich ernstlich bemühen, das vierte Gebot Gottes mit großer Treue zu erfüllen. Die Kinder zu dieser Treue zu bewegen, das ist der Zweck unserer fol-genden Erwägung. Wir wollen 1. einige Beweg¬gründe betrachten, welche die Kinder aneifern sollen, ihre Pflichten gegen die Eltern gewissenhaft zu er¬füllen, und dann 2. sehen, worin diese Pflichten bestehen.

I.

1. Alle Kinder, auch die erwachsenen und älteren, sollen ihre Pflichten gegen die Eltern treu erfüllen. Denn das verlangt Gott von ihnen. Es ist dies ein ernstes Gebot seines un¬endlich heiligen und gerechten Willens. Er hat dieses Gebot in das Herz des Kindes hinein¬geschrieben. Denn dasselbe fühlt sich, so lange es natürlich und unverdorben ist, angetrieben, die Eltern zu lieben und gut gegen sie zu sein. Aber Gott hat dieses Gebot auch mit ausdrücklichen Worten den Kindern eingeschärft; denn in der feierlichsten Weise, unter Blitz und Donner hat er vom Berge Sinai herab zu einem jeden Kinde ge¬sprochen: ‘„Du sollst Vater und Mutter ehren, auf daß es dir wohl ergehe und du lange lebest auf Erden."’

Dieses Gebot hat Gott an vierter Stelle gege¬ben. Das allein ist schon von großer Bedeutung. Kaum hat er auf die Pflichten hingewiesen, die man gegen ihn selbst, den Schöpfer und höchsten Herrn Himmels und der Erde hat, kaum hat er verlangt, daß man ihm dienen, ihn allein anbeten solle, daß man seinen heiligen Namen nicht durch Fluchen und Lästern verunehre, daß man seinem Dienste einen Tag in jeder Woche ausschließlich weihe, so wendet er sich sofort an die Kinder und fordert sie auf, ihre Pflichten gegen die Eltern treu zu erfüllen. Sollte man nicht glauben, Gott hätte vorher den Menschenmord, der ja ein wahrhaft schreckliches Verbrechen ist, oder die Unkeuschheit, die ja so verderbliche Folgen für die Menschheit mit sich bringt, verbieten sollen? Wenn er aber nun zuerst die Pflichten gegen die Eltern einschärft, so geht daraus klar hervor, welch' hohen Werth er auf dieselben legt, und wie ernst er verlange, daß die Kinder ihnen gewissenhaft nachkommen.

Dieses Gebot ist weiter ein ganz allgemei-nes. Es gilt für alle Kinder, für das Fürsten-kind, das dereinst eine Krone tragen soll, wie für das Kind des Taglöhners, das später mit schwie-riger Hand sich sein Vrod verdienen muß, für die

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