Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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hier  betreten  kann,  werde  ich  ihn  von  Zahlen  zu
Zahlen,  bis  auf  tausend  hinaufführen.
Nun  untersuche  man,  was  in  seiner  Seele
klar  ist?  da  wird  man  drey  Stücke  finden.  Die
Idee  der  Einheit;  die  Idee  der  Operation,  mittelst ¬
  welcher  man  mehrmalen  die  Einheit  zur  Einheit =
  hinzugesezt  hat;  endlich  das  Besinnen,  daß
man  das  Zeichen  tausend  nach  den  Zeichen  neun
und  neunzig,  acht  und  neunzig,  u.  s.  w.  gedacht ¬
  habe.  Diese  Zahl  ist  weder  durch  die  Idee
der  Einheit,  noch  durch  die  Idee  der  Operation,
wodurch  die  Einheit  vermehrt  wurde,  determinirt
worden;  indem  sich  diese  Stücke  auch  bey  allen
übrigen  Zahlen  finden;  sondern  weil  das  Zeichen
tausend  dieser  einzigen  Menge  allein  zukömmt:  so
wird  die  Zahl  blos  durch  dasselbe  determinirt,
und  von  andern  unterschieden.
§.  5.  Es  ist  demnach  außer  Zweifel,  daß  ein
Mensch,  der  nur  bey  sich  selbst  rechnen  wollte,
eben  so  viel  Zeichen  erfinden  müßte,  als  wenn  er
seine  Rechnungen  andern  bekannt  machen  wollte.
Warum  sollte  nun  das,  was  in  der  Arithmetik
wahr  ist,  nicht  auch  in  den  übrigen  Wissenschaften
wahr  seyn?  Würden  wir  wohl  je  über  Gegenstände ¬
  der  Metaphysik  und  der  Moral  nachdenken
können,  wenn  wir  nicht,  zur  Festhaltung  unsrer
Ideen,  Zeichen  erfunden  hätten,  nachdem  wir
neue  Sammlungen  veranstalteten?  Müssen  die
Wörter  nicht  für  die  Ideen  aller  Wissenschaften
das  seyn,  was  die  Ziffern  für  die  Ideen  der
Arithmetik  sind?  Es  ist  sehr  wahrscheinlich,  daß
Condillac.
            
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