Objekt : Girtanner, Christoph: Anfangsgründe der antiphlogistischen Chemie

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die  kohlengesäurte  Schwererde  so  lange  ausglüht,  bis  sie
nicht  mehr  mit  Säuren  brauset.  Noch  leichter,  besser  und
wohlfeiler,  ist  folgendes  Verfahren,  welches  Vauquelin
entdeckt  hat.  Man  zerlegt  salpetergesäurte  Schwererde,  in
einer  kleinen  Retorte,  durch  heftiges  Glühen.  Die  erkaltete
Erde  ist  grün,  ätzend  von  Geschmack.  Sie  schluckt,  unter
Verbreitung  von  Hitze,  Wasser  ein,  und  löst  sich,  vorzüglich
im  wärmen  Wasser.
Die  Süß=Erde  (Glucine)  hat  Vauquelin  entdeckt.
Man  findet  dieselbe  im  Beryll,  und  im  Peruvianischen
Smaragde.  Sie  macht  mit  den  Säuren  süßschmeckende
Salze.  Sie  ist  sehr  strengflüssig,  schmilzt  für  sich  nicht,  doch
mit  Borax,  zu  durchsichtigem  Glase.  Sie  löset  sich  nicht
im  Wasser,  aber  in  allen  Säuren,  auch  in  der  Soda  und
Pottasche.  Aus  den  Säuren  wird  sie  durch  Ammoniak  gefällt. ¬
  Sie  hängt  an  der  Zunge,  wie  die  Alaunerde.
Im
kohlengesäurten  Ammoniak  ist  sie  auflösbar,  aber  nicht  im
reinen.
Die  Strontian=Erde  findet  sich  niemals  rein.  Sie
läßt  sich,  wann  sie  mit  der  Kohlensäure  verbunden  ist,  von
derselben,  durch  den  Wärmestoff  allein,  nicht  leicht  trennen.
Nach  der  Schwererde,  und  der  Zirkonerde,  ist  sie  unter  allen ¬
  Erden  die  schwerste.  Ein  kleines  Körnchen  von  der  reinen ¬
  Strontianerde,  von  der  Größe  eines  Stecknadelknopfes,
erregt,  durch  bloße  augenblickliche  Berührung  mit  der  Zunge, ¬
  den  heftigsten,  mehrere  Tage  zu  fühlenden,  brennenden
Schmerz.  Die  Auflösung  in  Wasser  kristallisirt  nadelförmig. ¬
  Sie  löst  sich  in  der  Salpetersäure  auf.  In  der
Schwefelsäure,  und  in  dem  Essigsauren,  löst  sie  sich  nur
dann  auf,  wann  sie  damit  gekocht  wird.  Der  Geruch  ihrer
Lösung  im  Wasser  ist  dem  Geruche  des  Kalkwassers  ähnlich, ¬
  aber  stärker.  In  ihrem  Verhalten  zur  Schwefelsäure
kommt  sie  sehr  mit  der  Schwererde  überein,  in  ihren  übrigen ¬
  Eigenschaften  aber  mit  der  Kalkerde.  Bei  Zugießen
von  Wasser  zu  der  reinen  Strontianerde  entsteht  ein  viel
stärkeres  Geräusch  und  Erhitzung,  als  bei  dem  gebrannten
Kalke.  Sollte  vielleicht  diese  Erde  nur  eine  innige  Verbindung ¬
  der  Schwererde  und  der  Kalkerde  sein?
            
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