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Junker, Patrizier und der Zünfte der Handwerker50)
In unserer
Epoche sind jene für die Entwicklung der Städte von Bedeutung,
in der nächsten diese.
Die Zünfte der Handwerker erscheinen als eine Folge der erhöheten ¬
Gewerbthätigkeit und der dadurch allmälig herbeigeführten
persönlichen Freiheit derselben51). Sie entstanden seit dem zwölften ¬
Jahrhunderte
). Zu ihrem Dasein bedurften sie der Bestätigung ¬
des Herrn der Stadt. Auch gab dieser oder der Rath ihnen
anfänglich die Vorsteher. Im dreizehnten Jahrhundert erlangten
übrigens die Zünfte ziemlich allgemein das Recht sich ihren Meister
30) Das Wort Zunft wurde im MA. in derselben Bedeutung genommen
wie Gilde. Es wird meist von quemen, chomen, kommen hergeleitet.
Sprachlich wäre es demnach mit Zusammenkunft verwandt. Vgl. Wilda a.
a. O. S. 308. Eichhorn meint a. a. O. §. 312, Zünfte seien im MA.
die Einigungen der Handwerker nur genannt worden, wenn sie Theil an der
Verwaltung der städtischen Angelegenheiten gehabt. Eine Ansicht, welche urkundlich ¬
widerlegt werden kann. So heißt es z. B. in einem für die Schneider ¬
zu Basel im J. 1260 ausgestellten Diplom: „Cum fere quodlibet genus
hominum nostrae civitatis artes mechanicas exercentium, qui vulgariter
dicuntur Handwerklüte, sartoribus exceptis, tam de nostra quam de praedecessoris ¬
nostri gratia, confratrias habeant vulgariter dictas Zünfte, nos
ipsorum sartorum crebris supplicationibus inclinati... concedimus ipsis sartoribus ¬
et indulgemus ut inter se confratriam habeant et consimili gratia
qua ceteri gaudent, gaudeant et laetentur." Vgl. Wilda a. a. O. Es
gab übrigens im MA. noch andere Ausdrücke für Verbrüderungen in den
Städten: Gaffel, Amt, Zeche, Innung, Bruderschaft. Das
angelsächsische Wort gavel bedeutet tributum und es war demnach schon ursprünglich ¬
nahe verwandt mit Gilde. Vgl. Wilda a. a. O. S. 179. Auf
analoge Weise mag sich auch der Begriff von Zeche als Brüderschaft ausgebildet ¬
haben. Jedenfalls spricht mehr für den deutschen Ursprung dieses
Wortes, als für eine Ableitung aus dem Böhmischen, vor Allem aber das
frühe Vorkommen des Ausdruckes in der angegebenen Bedeutung zu Cöln.
Vgl. Weiske, Rechtslex. Bd. 1. S. 955. Ueber „Amt" in dem hier erwähnten ¬
Sinne siehe I. Grimm und W. Grimm, deutsches Wörterbuch
s. v. „Amt."
81) Vgl. Wilda a. a. O. S. 307. Arnold a. a. O. S. 254 f.
32) Die älteste vorhandene Urkunde über die Errichtung einer solchen
Zunft rührt aus dem J. 1149 her und bezieht sich auf die Bettziechenweber
(textores culcitrarum pulvinarium) in Cöln (Lacomblet, Niederrhein. Urkundenb. ¬
I. S. 254). Siehe Arnold a. a. O. S. 252. Wilda a. a. O.
S. 313. Eichhorn a. a. O.