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Ueber Besitz und Besitzrecht.
versuche, mit den Ausläufern der modernen Willenstheorie, alle
andern müßten als rechtskräftig abgeurtheilt, iasto iudicio iudicatae
iusto iudicio condemnatae gelten. Einige treffende Bemerkungen
wider diese Eine finden sich aber auch schon in Wind scheid's
neuester Pandektenausgabe. Nach so vielen Enttäuschungen wird
man freilich kein neues Angebot ohne Mißtrauen entgegen nehmen
mögen. -
Die Frage, warum gewisse Thatsachen an sich, die man Besitz
zu heißen pflege, vom Recht geschützt werden, wird kaum anders
zu beantworten sein, als die, warum der mit Wasser gefüllte Eimer
nicht schwerer werde, wenn man, ohne daß darum Wasser ablaufe,
noch einen Fisch hineinthue? Der Eimer wird eben schwerer, und
die Thatsachen an sich werden nicht geschützt. Nur unter bestimm?
ten Umständen, nnr wenn sie das Besitzrecht erzeugen; und auch
dann werden nicht sie geschützt, sondern das aus ihnen erwachsende
Besitzrecht.
Die Frage aber, warum das Besitzrecht geschützt werde, er-
scheint uns sofort als Anomalie. Warum ein Recht geschützt, d. h.
mit anderen Worten warum ein Recht Recht ist, die Frage droht
uns an den Grenzsaum unseres Wissens zu führen, wo die Forsch-
ung einen Bogen zu schlagen und in ihr eigenes Geleis zurückzu-
laufen liebt. Dagegen sind mir schon öfter derartige Fragen be-
gegnet, warum gewisse Thatsachen gewisse Rechte begründen oder
gewisse Rechte aufheben, nie z. B. die Spezifikation das Eigenthum,
Einzelnheitw zu spendendem Lobe zu dem Ende, „daß Bruns dem
Römisch Justinianischen Rechte doch wohl eine vollständigere Abrundung
zuschreibe, als es tatsächlich" gehabt. — Maischeider aber, „Besitz
und Besitzschutz", hat den alten Spruch zum Motto genommen: mul-
tas rexeriuntur definitiones a Doctoribus traditae, quae omnes
mutuis telis corruunt. Er sagt selber: „Das Wesen des Römischen
Besitzes und des Römischen Besitzschutzes einheitlich zu bestimmen, ist noch
nicht gelungen, eine einheitliche Rechtsidee, als deren Ausprägung der
Römische Besitzschutz angesehen werden kann, noch nicht aufgefunden" —
accedo. — Daß Bruns neueste Aufstellungen also den endlosen Faden
der Kontroversen auch noch nicht mit allüberzeugcnder Kraft abgeschnitten
haben, steht schon ziemlich fest.