Volltext : Wāqidī, Muḥammad Ibn-ʿUmar: Geschichte der Eroberung von Mesopotamien und Armenien

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also  ist,  sie  in  dieser  Nacht  zu  entführen“.  Einige  sagten:  „Unser
Herr,  wenn  du  das  thust,  welches  Land  wird  dich  aufnehmen?“  Da
antwortete  er:  „Ihr  Männer  wir  wollen  uns  zum  Heer  der  Araber  begeben, -
  und  von  ihnen  Schutz  erlangen.“  „Willst  du  das,  erwiederten
sie,  so  sei  standhaft.“  Er  befahl  ihnen,  auf  ihrer  Hut  zu  sein  und  sich
zum  Aufbruch  bereit  zu  halten.  Also  thaten  sie,  ohne  Aussicht  auf
Beistand  und  Sieg.
Dann  begab  er  sich  in  der  Dunkelheit  zum  Zelte  Tarun’s,  die  ihren
Geliebten  erwartend,  ihre  Wache  und  Dienerschaft  entfernt  hatte.  So
trat  er  unbemerkt  hinein;  sie  ihn  verkennend,  kam  ihm  entgegen  und
begrüsste  ihn,  in  der  Meinung,  es  wäre  Musch.  Zu  spät  erkannte  sie
ihn,  und  beschämt  und  bange  suchte  sie  ihn  auf’s  höflichste  zu  empfangen. -
  Er  sprach  aber  zu  ihr:  „Meintest  du,  ich  wüsste  das  Geheimniss
deines  Herzens  nicht?  Wehe  dir  Mittelding  von  Römerin  und  Armenierin, -
  die  du  einen  Mann  wie  mich  verachtest,  und  dem  Sohne  des  Fürsten
von  Senasena  anhängst!“  Dann  ergriff  er  sie  mit  Gewalt,  band  ihr  die
Hände,  verstopfte  ihr  den  Mund,  und  trug  sie  auf  seinen  Schultern  nach  seinem ¬
  Lager,  und  brach  noch  in  derselben  Nacht  mit  seinem  Heere  auf
nach  der  Wiese  von  Szur,  wo  sie  ausruhten  und  die  Pferde  fütterten.
Musch  sah  zwar  Bugur  aufbrechen,  aber  er  rührte  sich  nicht,  und
machte  gar  keine  Anstalten  zum  Weiterzichen.  Als  seine  Truppen  ihn
nach  der  Ursache  fragten,  sagte  er:  „Wir  wollen  morgen  früh  aufbrechen, -
  denn  der  Weg  ist  sehr  schwierig,  und  für  die  Pferde  und
Maulthiere  sehr  eng.“  Sie  blieben  also  bis  zum  Anbruch  des  Tags  im
Lager;  er  hatte  die  Botschaft  des  Mädchens  nicht  geachtet.  Am  folgenden ¬
  Morgen  zog  er  nun  ebenfalls  mit  seinem  Heere  weiter,  und  als  er
in  ihr  Lager  nahe  zu  ihrem  Zelte  kam,  fand  er  ihre  Hofleute  und  Diener ¬
  erwartend,  dass  ihre  Gebieterin  sich  zeigte;  ihr  Heer  hatte  sich
schon  marschfertig  gemacht.  Da  ging  der  Sklav,  welcher  Bugur  ihren
Plan  verrathen  hatte,  in  ihr  Zelt,  und  kam  eilig  zurück:  er  finde  die
Fürstin  nicht,  und  wisse  nicht  was  die  Ursache  ihres  Verschwindens
sei.  Ihre  Begleiter  wurden  bekümmert,  ihre  Soldaten  unruhig,  und  verlangten ¬
  zurückzukehren.  Aber  die  Grossen  sagten:  „Wenn  wir  zurückkehren, ¬
  so  wird  der  König  uns  hinrichten  lassen,  und  sagen:  Wie
konnte  meine  Tochter  aus  eurer  Mitte  entführt  werden,  ohne  dass  ihr
etwas  davon  wisset!  Es  hat  aber  kein  anderer  die  Fürstin  geraubt,  als
ihr  Vetter  Bugur,  der  von  Liebe  zu  ihr  entbrannt  ist,  und  der  darüber
grollt,  dass  sie  ihn  nicht  sehen  will;  deswegen  folget  uns  gegen  ihn,
und  der  Messias  wird  uns  den  Sieg  gewähren.“  Also  bewaffneten  sie
sich  eilig,  liessen  ihr  Gepäcke  zurück,  und  verfolgten  Bugur  ange¬
            
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