19
Diesen Geschmack verrathen die Tempel, die
uns Strabo beschreibt, der Tempel Salomons, ¬
der Thurm des Jupiters Belus
zu Babylon. Man wollte das Opfer der
Bewunderung durch Größe des Gedankens,
durch Kühnheit des Unternehmens, und durch
das Wunder der Ausführung erzwingen. Der
Stolz der morgenländischen Despoten bewirkte
das eine, und ihre Macht das andere. Man
wollte ein Ganzes, das die Einbildungskraft ¬
nicht in eine Vorstellung verbinden
kann; und dieß Staunen sollte die Wirkung
der demüthigenden Erkenntniß seyn, daß das
Erzeugniß der Kunst den möglichen Begrif
übersteige, und die Möglichkeit der Ausführung
sich erst durch ihre Wirklichkeit offenbare.
Wo das Schauderhafte und Grauen nicht
durch unübersehbare Massen erweckt werden
konnte, da nahm man zu andern Mitteln seine
Zuflucht, z. B. zur räthselhaften Dunkelheit.
Meistens glichen die kleinen Kapellen der
Höhle, wo Montezuma das Orakel seiner
Götter vernahm, und wo nur so viel Licht
eindrang, um, nach dem Ausdruck des Antonio =
de Solis, die Finsterniß zu sehen.
Die Statuen der Aegypter waren so gerade,
und so fest wie ihre Pyramiden. Zum Belege
des Geschmackes am Wunderbaren dient die