Volltext : Berthollet, Claude-Louis: Über die Gesetze der Verwandtschaft in der Chemie

§.  25.  Wirkung  zwischen  zwei  Stoffen.
27
III.
Ueber  die  chemische  Eimdirkung  zveied
Stoffe  auf  einander.
25.  Die  Natur  isolirt  ihre  Kräfte  nie.  Jede  Erscheinung ¬
  ist  immer  bald  auf  eine  einfachere,  bald
auf  eine  verwickeltere  Art,  die  Wirkung  mehrerer
Kräfte,  nämlich  aller  derer,  die  vermöge  der  vorhandenen ¬
  Umstände  wirksam  seyn  konnten.  Bei  der
theoretischen  Untersuchung  hingegeh,  müssen  wir
nothwendig  jede  Naturkraft  für  sich  betrachten,  und
theils  durch  Schlüfse,  theils  durch  gewähilte  Versuche ¬
  und  Beobachtungen  ihre  Gésetze  zu  entdecken
suchen.  Hat  man  erst  den  Begriff  einer  Kraft  richtig
und  vollstandig  aufgefalst,  so  liegen  diese  Gesetze
schon  in  ihm,  oder  können  durch  Schlüsse  aus  ihm
entwickelt,  und  in  diesem  Sinn  a  priori  deducirt  werden. ¬
  Allein  selbst  in  diesem  Fall,  kann  man  des
Rückblicks  auf  die  Erfahrung  durchaus  nicht  entbehren, ¬
  eben  um  sich  zu  überzeugen,  dass  man  den
Begriff  der  Kraft  rein  und  klar  aufgefasst  habe.
Diese  Betrachtungen  zeichnen  uns  den  Weg  vor,
den  wir  hier  zu  nehmen  haben.  Wir  müssen  zuerst
zu  bestimmen  suchen,  was  die  blosse  Verwandschaft
zwischen  zwei  Stoffen  wirken  würde,  vorausgesetzt,
dass  ihre  Wirkung  durch  gar  keine  mitwirkende
Kraft  gestöhrt,  oder,  modificirt  würde;  dann  werden
wir,  unsere  Aufmerksamkeit  auch  auf  den  Einfluss
dieser  mitwirkenden  Kräfte  richten  müssen.
            
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