Volltext: Cardano, Girolamo: Offenbarung der Natur und natürlicher dingen auch mancherley subtiler würckungen

Von mancherlei wunderbaren dünn/ wurden ſie leichtlich brechen/ wann ſie alſo geſtalter weren. Da-
rumb weil die natur nicht vnderlaßet in denen dingen/ ſo müglich/ auch
nicht vmb ſonſt volbringet/ mögend nitt mehr vnderſcheid gemachet wer-
den. wir habend aber vorhin angezeigt/ daß diſe mancherley arthẽ haben/
vnd auch auß was vrſach.

Die aber mit zweyenſchalen überzogen werden/ theilet man zům erſten
in zwo arthen. die eine iſt hert vnnd dick als die Oſtreen/ die andere dünn
vnnd zerbrechlich/ die wir Conchen oder berlin ſchnecken nennen. Solliche
werden alle voll/ namlich diſe ſo gleſtet ſeind/ oder mitt einer ſchalen bede-
cket/ doch diſe minder/ weil ſie ein herter fleiſch haben. ſie entpfahen auch
ein große enderung von denen orthen/ in welchẽ ſie gewachſen. welche beid
Horatius in diſen worten gar fein beſchriben hatt/ do er ſpricht/

45.1.

Zweyſchelige
ſchnecken.

Der Mon erfült zů ſeiner zeit/

Die ſchlipfferig ſchnecken breit vnd weit/

Doch findt man mit der edlen arth/

In yedem mehr ſo recht vnd zart.

Das Bayaniſch hatt den Murex gůt/

Der Lucriniſch Pelors es vor jm thůt.

Das Circeiſch hatt die Oſtream/

Echinus von Miſſenen kam.

Die Pectinen breit man ſůchen ſoll/

Zů Tarent gůt/ do findt mans wol.

Weil aber nit allein der Conchilien vnd meerſchneckẽ arth/ ſonder auch
faſt alle blůtloſen thier/ ſo inn dem waſſer lebend/ durch des Mons ſchein
erfüllet werden/ iſt nit ſchwer deſſen vrſach zůgeben. dann diſes beſchicht
nicht von der wachſung/ ſonſt wurden ſie nit feißter/ ſonder feüchter wer-
den. Darumb feißten ſie aber/ weil das waſſer vnnd der kaat/ ſo ſie eſſen/
ſubteyler vnnd baß gekochet werden. deßhalben ſie auch baß ſpeyſen vnnd
fůren. Es wirt auch die werme ſo in allen thieren gemehret wirt/ inn di-
ſen/ von wegen ihrer beſonderen blödigkeit/ augenſcheinlich gemehret/
deßhalben werden ſie auß zwyfacher vrſach feyßt. Inn den Polypen aber
vnnd diſen ſo fleiſch eſſend/ iſt nitt ſollicher offenbar vnnd gewüſſer vn-
derſcheid. dann es begibt ſich offt daß ſie inn wachſung des Mons jhre
kommliche narung nitt haben/ vnnd allen anderen dingen ein überfluß
vorhanden.

45.1.

Der Mon ma
chet die ſchne
cken voll.

Alſo iſt diſes der erſt vnderſcheid in denen ſo ein zwifache ſchalen haben. dann ſie ſeind hert vnd dick/ vnd werden ſchalechtig/ die ander aber weych
vnnd dünn/ vnd werden gewonlich Conchen genennet.

Diſe beyde arthen werden widerumb abgetheilet in die langẽ/ als in die
vylfüßigen vnd Solenen oder fingerſchalen/ demnach inn die breitte/ als
in die Oſtreen vnd gehürnete ſchnecken.

Die Conchen vnnd berlin ſchnecken ſeind mancherley arthen/ damit ich
auch Plinij kampff/ mit der natur herzů ſetze/ will ich deſſen wort ſelbs an-
zeigen. Die Murices vnd der Conchen arth habẽ ein ſteiffe ſchalen/ in wel-
chen ein große enderung iſt der ſpilen den natur/ dann es ſeind mancherley
vnderſcheid der farben/ mancherley figuren/ ſie ſeind eben/ hol/ lang/ ge-

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