Volltext : Reimarus, Hermann Samuel: Allgemeine Betrachtungen über die Triebe der Thiere, hauptsächlich über ihre Kunsttriebe

Boroede
Hienächst  scheinen
mir  auch  Geschichte ¬
  einzeler  Thiere,  zumal  zahmer
oder  gefangener,  vielen  Zweifeln  unterworfen ¬
  zu  seyn.  Denn  man  kann  von
besondern  Begebenheiten  die  genauen
Umstaͤnde  nicht  wissen,  und  man  wurde ¬
  also,  aus  Mangel  derselben,  die  Begebenheit =
  falsch  beurtheilen.
Wenn
aber  auch  die  Thiere  nicht  in  ihrer  natuͤrlichen ¬
  Freyheit  sind,  so  kann  man  die
naturlichen  Triebe  aus  ihren  Handlungen ¬
  nicht  schliessen,  weil  sie  in  der  aussernatuͤrlichen ¬
  Lebens-Art  theils  erloͤschen,
theils  abgeäͤndert  werden.  Demnach
glaube  ich  sicherer  zu  gehen,  wenn  ich
blos  die  Handlungen  der  Thiere,  welche =
  in  voller  Freyheit  und  ungezwungen ¬
  handeln,  anfuͤhre.  Denn  wenn
sie  schon  an  einzelnen  Thieren  bemerkt
sind,  so  weiß  man  doch,  daß  die  Natur
bey  der  ganzen  Art  einerley  sey.
Die
besondern  Handlungen  einzeler  zahmer
Thiere  kann  so  ferne  nuͤtzlich  seyn,  als
dabey  gezeigt  wird,  auf  was  Art  sie  entstanden ¬
  sind,  und  in  ihren  natuͤrlichey
Vorstellungs=  und  Willkührs=Trieben
allgemeinen  Grund  haben.
Man
            
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