Volltext : Dritter Band (3)

Sechstes  Buch.
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haben:  aber  diese  ist  nur  hinten,  wo  die  Wirbelsäule  gestützt  wird
und  an  den  zwei  seitlichen  Puncten,  wo  die  unteren  Gliedmaaßen
ihren  Befestigungspunct  finden,  angehäuft;  an  den  übrigen  Stellen
ist  das  Becken  nur  ein  schmälerer  Knochengürtel,  welcher  mit  nachgiebigen, ¬
  weichen  Theilen  gefüllte  Räume  frei  läßt,  nämlich  hinten
seitlich  die  beiden  Hüftbeinausschnitte,  vorne  seitlich  die  beiden  Hüftbeinlöcher, ¬
  und  in  der  Mitte  den  Schambogen.  Beim  weiblichen
Geschlechte  sind  diese  Knochenlücken  größer  (§.  162,  c,  d),  überhaupt ¬
  die  Knochen  dünner,  zarter,  und  die  Beckenhöhle  geräumiger
(§.  159.)  als  beim  Manne.  —  b)  Die  Beckenknochen  müssen  unter
einander  sehr  fest  verbunden  seyn,  um  als  Stützpunct  bei  allen  stärkeren
Bewegungen  des  Körpers  dienen  zu  können.  Aber  in  der  Schwangerschaft ¬
  und  namentlich  in  den  letzten  Monaten  derselben  erhalten
sie  durch  Auflockerung  der  Knorpel  und  Bänder  (§.  346,  m)  sowohl ¬
  an  der  Schambeinfuge,  als  auch  an  der  Hüftkreuzbeinfuge
einige  Beweglichkeit.  Bei  manchen  Säugethieren,  deren  Becken  für
den  Durchgang  des  Embryo  schlechthin  zu  eng  ist,  öffnet  sich  die
Schämbeinfuge  sogar;  so  wird  sie  nach  Legallois  (Nr.  181.
36stes  Stück  p.  144)  bei  Meerschweinchen  während  der  Trächtigkeit ¬
  dicker,  beweglicher,  weicht  einige  Tage  vor  dem  Gebären  aus
einander,  so  daß  sie  bei  diesem  einen  Finger  breit  offen  ist,  und
schließt  sich  dann  wieder  binnen  24  Stunden;  bei  der  Fledermaus
ist  sie  nach  Emmert  (Nr.  185.  IV.  S.  1)  sonst  unbeweglich,
läßt  sich  aber  in  der  Trächtigkeit  auf  zwei  Linien  breit  aus  einander ¬
  ziehen;  nach  Breton  (Nr.  181.  1815.  p.  97)  steht  sie  beimzu
Mäulwurfe  zur  Zeit  des  Gebärens  zwei  bis  drei  Linien  weit  offen;.
dasselbe  soll  auch  bei  Igeln,  Bären  u.  s.  w.  der  Fall  seyn.  Being
dem  Menschen,  wo  die  ganze  Last  des  Körpers  auf  dem  Beckenm
ruht,  findet  ein  solches  Auseinanderweichen  im  Normalzustande  nicht
Statt;  hier  ist  vielmehr  die  Verbindung  der  Schambeine  so  fest,
daß  bei  engem  Becken  die  Gebärkraft  eher  ein  Schambein  zerbrechen, ¬
  als  sie  trennen  kann,  wie  denn  Müller  in  Wittenberg  einmi
Becken,  an  welchem  er  diesen  Hergang  beobachtete,  aufbewahrt.
Daß  aber  die  Verbindung  der  Beckenknochen  durch  Anschwellung  der
Bänder  und  Knorpel  auch  bei  gesunden  Frauen  und  weitem  Beckennvor ¬
  dem  Gebären  lockerer  und  dehnbarer  wird,  haben  die  Beobach¬
            
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