399
stand. freie. freizügigkeit.
2, jeder freie hat das recht, unbehindert zu gehen, wohin ¬
er will, d. h. es folgt ihm kein herr nach, der ihn
zurückverlangen darf; daher àlsOepog von às#0o ich gehe.
In der freilaßungsformel wird das auch gewöhnlich ausgedrückt. ¬
Der freie ist nicht an die scholle gebunden. Si
quis liber homo migrare voluerit aliquo, potestatem habeat,
intra dominium regni nostri cum fara sua migrare, quo
voluerit. lex Rothar. 177. Im Ingelheimer w. heißt es: und
mag ein ieglicher, der in dem riche geseßen ist, ziehen und
faren wor er wil und lal im nieman daran kruden oder
hindern. Von den freien leuten auf der Leutkircher heide:
daß lie frei wären und keine nachjagende herren hetten. Lünig
reichsarch. p. lpec. cont. 4 p. 803. Freiheit zu Morchingen:
wer auch, das iemant were der meinung, er (en) wolte wonen
noch beliben in unser friheit und het er hus und erbe in 287
derselben friheit, der mag sie verkaufen mittes dem vierden
pfenning, der lol uns und unsern erben werden von dem
keufer; darnach fol er gan zu dem creuz der friheit mittes
dem meier und gericht und sol sprechen offentlich: ir heren,
got gelegen euch, ich wil enweg! so sol das gericht dri werbe
rufen und den mit namen nennen: der wil enweg! und wer es
das in iemant anspreche von schult, von burgschaft oder von
andern stücken, er fol beliben bis das er sich davone entschleit,
als der Icheffen urteilt, und mittes des so mocht er mit schenem
tag (bei hellem tag) dannen scheiden und fin gut mit im füren,
war im füget und fal in das gericht geleiten, tut es im not,
bis uswendig des bannes, wer aber anders dannen scheidet,
wirt er begriffen, er wer uns mit libe und mit gute erfallen.
Senkenberg C. J. G. 1 p. 2 pag. 7. Nach dem vorhin f. 282
über die bedeutung des namens frei in späteren weisthümern
gelagten, ist, um diese formel der freizügigkeit nicht miszuverItehen, ¬
allerdings vorsicht nöthig. Sie gleicht den formeln, die
unten (knechte E, 5) beigebracht werden sollen über das auch
gewillen hörigen (den armen leuten, vogtleuten) unbenommene
recht, ihren wohnplatz aus einer in die andere mark zu
verändern. Immer aber muß selbst dann die befugnis zu
wandern angelehen werden als ein ursprünglicher ausfluß der
freiheit. [Hierher eine abzugsformel des Rienecker w., die