Volltext : Otto, Johann Friedrich Wilhelm: System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens

Fünfte  Abth.  Dritter  Abschnitt.
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Wasser,  verstopfte  sie  wohl,  kehrte  sie  dann  um,  und  stellte
sie  auf  den  Hals  in  den  Sand.  Das  Wasser,  welches  im
Froste  flüssig  blieb,  senkte  sich  in  den  Hals,  und  konnte
leicht  abgeschieden  werden.  War  dies  geschehen,  so  schmelzte
man  das  Eis,  und  ließ  es  auf  diese  Weise  drei  bis  viermal
hinter  einander  gefrieren,  bis  es  ganz  süß  war.  So  behandelte ¬
  er  die  trüben  Wasser  der  Etsch,  das  eisenhaltige  Wasser ¬
  von  Recoaro,  Harn  und  Mistjauche,  und  er  bekam
durch  wiederholtes  Gefrieren  ein  eben  so  reines  Wasser,  als
auf  dem  Wege  der  Destillation.  Bozza  stellte  ähnliche
Versuche  mit  Wasser  an,  in  welches  er  Thon  zerlassen  hatte.
Die  erdigen  Theile  wurden  durch  den  Frost  niedergeschlagen,
und  das  Wasser  war  aufgethaut  ganz  rein.  Er  goß  ferner
Schwefelsäure  ins  Wasser,  und  färbte  es  mit  Lackmußtinktur. ¬
  Durch  das  Gefrieren  schied  sich  der  färbende  Stoff
und  die  Säure,  und  das  Wasser  war  ohne  Geschmack  und
Farbe  1).  Bekannt  ist  es,  daß  bei  Weinen  und  anderen
geistigen  Getränken  ebenfalls  eine  Trennung  der  wässerichen
Theile  von  den  geistigen  durch  den  Frost  erfolgt,  welche  letztere ¬
  sich  gegen  die  Mitte  der  gefrierenden  Masse  concentriren. ¬
  Das  nemliche  findet  man  bei  der  Milch,  dem  Essig  u.
s.  w.,  wo  sich  die  Flüssigkeit  auf  gleiche  Weise  absondert.
Bei  dem  Gefrieren  des  Meerwassers  verwandeln  sich  die
Theile  des  reinen  Wassers  in  Eis,  und  die  fremdartigen
scheiden  sich  dann  ab.  Lorgna  gründet  diese  Absonderung
darin,  daß  die  gleichartigen  Theile  des  Wassers  während
des  Frosts  sich  einander  anziehen,  die  ungleichartigen  aber
zurück  gestoßen  werden.
Um  aber  die  eigentliche  Art  und  Weise  einzusehen,  wie
die  Natur  hier  wirkt,  bemerken  wir,  als  eine  aus  der  Erfahrung ¬
  bekannte  Sache,  daß  die  auflösende  Kraft  gegen  die
Salze  durch  eine  erhöhete  Temperatur  vermehrt,  und  durch
*)  Annales  de  Chimie  etc.  par  Guyton.  T.  XII.  p.  160.
            
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