Volltext : Otto, Johann Friedrich Wilhelm: System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens

Temperatur  des  Meerwassers.
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Nairne  1)  und  D.  Higgins  *)  über  diesen  Gegenstand
Versuche  an,  deren  Erfolge  sehr  von  einander  abwichen,  und
sich  in  mehreren  erheblichen  Punkten  geradezu  widersprachen.
Sie  scheinen  daher  über  die  Sache  nur  wenig  Licht  zu
verbreiten.
Higgins  erhielt  nemlich,  beim  Froste  aus  dem  Meerwasser, ¬
  ein  loses,  schwammigtes,  mit  Salztheilen  durchdrungenes ¬
  Eis  in  dünnen  Blättchen:  dagegen  Nairne  ein  festes
Eis  in  Stücken  bekam,  welches,  nachdem  er  es  im  süßen
Wasser  abgewaschen,  und  von  den  daran  äußerlich  hängenden ¬
  fremden  Theilchen  gesaubert  hatte,  ein  süßes  Wasser
lieferte,  welches  eigenthümlich  leichter  war,  als  ein  Gemisch
vom  Schnee=  und  Regenwasser,  und  dem  destillirten  hierin
am  nächsten  kam.
Es  scheint  indeß,  daß  sich  auf  die  Versuche  des  Higgins ¬
  nicht  viel  bauen  lasse,  da  er  sie  bei  weitem  nicht  mit
der  erforderlichen  Genauigkeit  angestellet  hat.  Er  nahm  die
dünnen  Eisblättchen,  welche  nur  schwach  zusammen  hängen,
sogleich  aus  dem  Gefäße  heraus,  in  welchem  er  das  Meerwasser ¬
  dem  Froste  ausgesetzt  hatte,  und  fuhr  damit  so  lange
fort,  bis  die  übrig  gebliebene  Soole  anfing,  in  Kristallen
von  Kochsalz  anzuschießen.  Hätte  er  sich  weniger  übereilt,
und  die  dünnen  Blättchen  bis  zu  ihrer  Gefrierung  in  größere
Stücke  ruhig  gelassen;  so  würde  er  ohne  Zweifel,  wie
Nairne,  ein  derbes,  von  allen  Salztheilen  freies  Eis  erhalten ¬
  haben.  Dieser  Versuch  kann  also  nicht  als  ein  geltender ¬
  Einwurf  gegen  die  Sache  selbst  betrachtet  werden,
da  sie  durch  die  Beobachtungen  anderer  Naturforscher  genungsam ¬
  bestätigt  ist.
Frobisher  wuste  bereits,  daß  das  Eis  im  Meere  nach
*)  Barrington’s  second  supplement  to  the  probability  of  reaching ¬
  the  Nordpole.  p.  121.  142.
2)  Phil,  Transact.  No.  66.
            
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