Volltext : Otto, Johann Friedrich Wilhelm: System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens

Fünfte  Abth.  Zweiter  Abschnitt.
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Man  nimmt  gemeiniglich  an,  daß  der  Boden  des  Meeres, ¬
  sowohl  seiner  Gestalt  nach,  als  auch  in  Ansehung  seiner ¬
  Materialien,  mit  dem  festen  Lande  übereinkomme,  und
daß  jener  gewissermaßen  als  eine  Fortsetzung  von  diesem  zu
betrachten  sey.  Gewiß  ist  es,  daß  er,  wie  der  trockene  Theil
der  Erdkugel,  höhere  und  niedrigere  Berge,  flächere  und  tiefere ¬
  Thäler  aufzuweisen  hat,  daß  sich  darauf  Materialien
von  mancherlei  Art  befinden,  daß  er  Gewächse  und  Pflanzen ¬
  hervorbringt,  welche  freilich  von  eigener  Art  sind.
Dasjenige,  was  wir  von  den  Matertalien  auf  dem  Boden ¬
  des  Meeres  aus  der  Erfahrung  wissen,  ist  von  geringer
Bedeutung.  So  viel  lehrt  sie  uns,  daß  auch  hier,  so  wie
auf  dem  festen  Lande,  die  Verschiedenheit  der  Stein-  und
fand  man  ihn  nicht  selten  zwischen  den  Liparischen  Inseln.  Beide  Meeresgegenden ¬
  sind  als  höchst  gefährlich  bekannt.
Dieser  so  außerordentliche  Mann  konnte  nun  dem  Könige  nicht  lange
verborgen  bleiben,  und  er  befahl,  ihn  zu  sich  zu  führen.  Es  kostete  indeß ¬
  nicht  wenig  Mühe,  den  Nicolaus  aufzufinden,  da  er  die  meiste
Zeit  in  den  Tiefen  des  Wassers  verlebte.  Man  fand  ihn  endlich,  und
brachte  ihn  vor  den  König.  Dieser  hatte  schon  lange  über  die  Beschaffenheit ¬
  der  Scylla  und  Charybdis  etwas  gewissers  zu  erfahren  gewünscht,
und  trug  ihm  daher  auf,  den  Grund  des  Wasserwirbels  zu  untersuchen,
und  um  denselben  zu  dieser  Unternehmung  desto  geneigter  zu  machen,
ließ  er  einen  goldenen  Becher  hinein  werfen.  Nicolaus  stürzte  sich
in  den  Schlund,  wo  er  augenblicklich  verschwand.  Ganze  drei  Viertelstunden ¬
  sah  man  nichts  von  ihm.  Endlich  erschlen  er  wieder,  hielt  den
Becher  triumphirend  in  die  Höhe,  und  brach  mit  Gewalt  durch  die
Wellen  hin  an  das  Ufer.  Die  Aufklärung,  welche  er  dem  Monarchen
über  die  Narur  des  Wirbels  gab,  genügte  indeß  diesem  nicht,  und  er
forderte  ihn  auf,  daß  er  sich  noch  einmal  in  den  Abgrund  hinab  begeben
sollte.  Nicolaus  lehnte  solches  im  Anfange  ab,  indem  er  die  Gefahr ¬
  vorstellte,  ließ  sich  aber  endlich  doch  durch  den  Gewinn  eines
zweiten  Bechers,  dem  ein  Beutel  mit  Gelde  beigefügt  wurde,  anreitzen, ¬
  einen  wiederholten  Versuch  zu  machen.  Dieser  mißlang  ihm
aber,  und  er  ist  nie  wieder  zum  Vorschein  gekommen.  So  erzählt
Kircher  die  Sache  aus  Nachrichten,  die  er  aus  dem  Archive  des  Königs ¬
  von  Sieilien  entlehnt  haben  will,  für  deren  Zuverläßigkeit  wir
jedoch  nicht  bürgen  können.  Athan.  Kircheri  Mundus  subterraneus. ¬
  Tom.  1.  p.  79.  soq.
            
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